Kritik zu Was haben wir gelacht
Dokumentarfilm über die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er Jahre aus Frauenperspektive.
Nach fast zwanzig Jahren »Ladies Night« und den Einzelkarrieren von Anke Engelke und Carolin Kebekus dürfte vielen Jüngeren bissige Frauen-Comedy im Fernsehen fast altbacken erscheinen. Boomerinnen erinnern sich jedoch noch gut an das große Aufatmen, als mit Hella von Sinnens ersten Auftritten in »Alles Nichts Oder?!« 1988 zum ersten Mal eine Frau spürbar eigene Akzente im deutschen Fernsehhumor setzte. Das geschah nicht zufällig im jungen Privat-TV, wo der Erfolgsdruck höher und die Erwartung an »Anspruch« erheblich niedriger war als bei den Öffentlich-Rechtlichen. Ihre Comedykarriere begonnen hatte von Sinnen noch als Studentin mit der Rolle der »Putzfrau Schmitz« bei einer Agentur und dann beim Karneval: Eine harte Schule, sagt sie, wo den Männern schon das Fehlen sexistischer Gags Affront genug war.
Jetzt sitzt von Sinnen auf einem Stuhl im dunklen Studio wie anderswo Kollegin Maren Kroymann, die fünf Jahre später mit »Nachtschwester Kroymann« die erste feministische Comedy in die ARD brachte. Zur gleichen Zeit durfte Esther Schweins bei ihrem Debüt in »RTL Samstag Nacht« die oft misogynen Texte ihrer Autoren nur mit Grimassen quittieren. Und Gaby Köster tingelte als Expertin für gestandenen Prollhumor erfolgreich durch diverse private Shows. Letzte der fünf Gäste im virtuellen Studio ist Bettina Böttinger, die zwar selbst keine Komödiantin ist, aber als bekennend frauenorientierte Talkerin damals Köster, Kroymann und von Sinnen persönlich als Gäste in ihren eigenen Sendungen hatte.
Die jungen Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider bringen die Statements ihrer Protagonistinnen durch die Montage und manchmal auch angeregt durch eine anonyme Fragestimme aus dem Off raffiniert miteinander ins Gespräch und lassen viele eingespielte Filmausschnitte ganz ausführlich oder auch knapp und knackig kommentieren. So ergibt sich ein Dokumentarfilm, der die einzelnen Comedienne-Karrieren als Folie für eine bissige Befragung der chauvinistischen westdeutschen TV-Show-Geschichte – der »klassischen« Jahre von Kulenkampff bis zu Harald Schmidt – nimmt. Eine Sonderrolle bekommt dabei Seriengrabscher Thomas Gottschalk, der sogar Madonna das Knie tätschelte und irgendwann für seine übergriffige Küsserei von Spice Girl Geri Halliwell vor dem berühmten Sofa einen Blumenstrauß übergebraten bekam.
»Die lächelten einfach durch«, bewundert Bettina Böttinger die Toughness der gern als »charmant« umschmeichelten Assistentinnen der großen Shows. Im Rückblick wird aber auch sichtbar, wie manche bei einigen der Herrenwitze doch kurz Schnappatmung bekamen, bevor die Lächelroutine wieder griff. Während im Film die Frage nach dem Umgang mit Themen wie Körperscham und Weibchen-Stereotypen (Beispiel Verona Pooth) auch Selbstkritik und Kontroverse ins Spiel bringt, thematisiert besonders Kroymann strukturelle Hintergründe wie den Einsatz von Humor als gesellschaftlichen Machtfaktor – etwa die gezielte Diffamierung von Widerstand gegen sexistische Witze als humorlose Spielverderberei. Interessant dabei, dass alle Komödiantinnen als Stärkung für ihre eigene Position Frauen der eigenen Familie nennen, meistens ihre Mütter.




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