Kritik zu Ninja Motherf*cking Destruction
Lotta Schwerks unabhängig produziertes Langfilmdebüt ist eine flirrende, ganz auf das filmische Erzählen vertrauende Coming-of-Age-Story aus queerer Perspektive.
Coming-of-Age-Filme sind ein Dauerbrenner. Das liegt auch daran, dass wir alle durch dieses Erwachsenwerden durchmussten. Auch »Ninja Motherf*cking Destruction« erzählt auf den ersten Blick eine für das Genre typische Geschichte von Freundschaft, erster Liebe und der selten eindeutig zu beantwortenden Frage, wo es mit dem eigenen Leben eigentlich hingehen soll.
Leonie (Emma Suthe) und Marlene (Merle von Mach) sind gerade 18 geworden und mit der Schule fertig. Sie sind beste Freundinnen und leben in Berlin, lassen sich durch die Nächte treiben, knutschen rum, feiern hart und können sich aufeinander verlassen. Aber dann verliebt sich Leonie in Naomi (Marie Tragousti), und über diese erste richtige Beziehung entfremden sich die Freundinnen voneinander. Marlene fängt ein Studium an, Leonie zieht in ihre erste WG und muss Naomi in deren psychischen Krisen beistehen. Wo es beruflich hingehen soll, weiß sie auch nicht so recht. Als sie und Naomi sich trennen, macht Leonie ein Praktikum auf einem Biobauernhof in Brandenburg und versucht fernab der städtischen Hektik klarzukommen. Nach Jahren des sporadischen Kontakts vermisst sie Marlene und wünscht sich ihre beste Freundin zurück.
Regisseurin Lotta Schwerk zeichnet nicht nur für Drehbuch und Regie verantwortlich, sie hat ihr Langfilmdebüt, das beim Festival Max Ophüls Preis 2025 Premiere feierte, auch selbst produziert, nur mit Hilfe der »Homosexuellen Selbsthilfe«. Jenseits klassischer Filmförderstrukturen hat sie von 2017 bis 2024 immer wieder gedreht, so dass wir ihren Figuren tatsächlich beim Erwachsenwerden zusehen können. Erzählerisch folgt sie strikt dem Motto »Show, don’t tell«. Die Handlung setzt mitten in einer Partynacht auf den Straßen Berlins ein. Ohne Erklärung oder konkrete Verortung werden wir direkt in das Leben von Leonie hineingeworfen. Ihre subjektive Perspektive bleibt narrativ und visuell der Fixpunkt. Stationen und Szenen aus ihrem Leben gehen nahtlos ineinander über, ohne dass diese Zeitsprünge – abgesehen von anderen Frisuren oder Jahreszeiten – markiert werden. Was passiert, vermittelt sich besonders in der Interaktion der Figuren und der Stimmung des Moments, kaum über die Dialoge.
Die großartig lebendige Kamera von Fion Mutert bleibt dabei konsequent nah an der Protagonistin. Die flirrende, vitale Bildsprache versetzt beim Betrachten augenblicklich emotional in die eigene Jugend zurück: Eine wilde Nacht im Club. Eine Autofahrt mit Freundinnen im Sommer. Die erste Nacht, nachdem man von zu Hause ausgezogen ist. Die erste Beziehung und deren Ende. Freundschaftliche Nähe, landwirtschaftliche Tätigkeiten mit bloßen Händen oder sexuelle Intimität sind sinnlich, fast haptisch inszeniert. All das transportiert »Ninja Motherf*cking Destruction« ohne nostalgisches Pathos und retrospektive Überhöhung. Figuren und Erzählung bleiben mitten im Augenblick. Als streife der Film Momente eines Lebens, deren transformative Bedeutung sich erst im Rückblick erschließt.




Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns