Oscars 2016: »Spotlight« als bester Film ausgezeichnet

»Mad Max: Fury Road« erhält die meisten Trophäen
»Spotlight« (2015). © Paramount Pictures

© Paramount Pictures

In der Nacht von Sonntag auf Montag fanden in Los Angeles zum 88. Mal die Verleihungen der Oscars statt. Neben »The Revenant – Der Rückkehrer« und »Mad Max: Fury Road«, konnte Tom McCarthys Journalismusdrama »Spotlight« groß abräumen. Außerdem: endlich ein Oscar für Leonardo DiCaprio

Als nach vielen Werbeunterbechungen Morgan Freeman schließlich den Umschlag öffnete, um den Gewinner für den "Besten Film" zu verkünden, erwarteten die meisten gleich das Team um »The Revenant Der Rückkehrer« auf der Bühne. Doch es kam anders. Nach einem Oscar für das "Beste Drehbuch" durften sich Regisseur Tom McCarthy und seine Crew für »Spotlight« auch über die Auszeichnung für den "Besten Film" freuen. Seit 1952 gab es keinen Film mehr, der neben diesem "Haupt-Oscar" nur einen weiteren Preis verliehen bekommen hatte. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die in den letzten Wochen viel Kritk wegen fehlender Diversität in ihren Nominierungslisten einstecken musste, vermied es auf diesem Weg, einen klaren Gewinner des Abends zu bestimmen. Und schließlich hatte »Revenant«-Regisseur Alejandro González Iñárritu schon im letzten Jahr mit »Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)« gewonnen.

Chris Rock führte als Moderator durch den Abend und nutzte selbstverständlich die große Bühne, um die Debatte über die "Whiteness" der Oscars satirisch zu highlighten. Generell verlief die Verleihung sehr artig, und Leonardo DiCaprios flammende Rede für den Klima- und Umweltschutz war schließlich eine der wenigen erinnerungswürdigen Momente auf der Bühne des Dolby Theatre. In Zaum gehalten wurden die Dankenden in diesem Jahr, indem bei jedem Gewinner bereits eine Laufschrift auf dem Gang zur Bühne die bedankenswerten Mitglieder aus dem Filmteam und dem Familien- und Freundeskreis einblendete, um die eigentlichen Dankreden zu verkürzen.

Wirkliche Verlierer an dem Abend gab es wenige. Der Eine oder Andere hätte den Oscar bestimmt gerne in den Händen von Sylvester Stallone für die Paraderolle des Rocky Balboa in »Creed – Rocky's Legacy« gesehen, doch die Academy entschied sich, mindestens genauso verdient, für Mark Rylance als Rudolf Abel in Steven Spielbergs »Bridge of Spies: Der Unterhändler«. Ähnlich verhielt es sich in der Kategorie Regie. George Miller war für viele mit seiner Arbeit zu »Mad Max: Fury Road« der geheime Favorit, doch am Ende durfte wie letztes Jahr wieder der Mexikaner Alejandro González Iñárritu den Preis in Empfang nehmen. »The Revenant Der Rückkehrer« bescherte nicht nur seinem Regisseur und endlich auch Leonardo DiCaprio die begehrte Auszeichnung, sondern auch den Kamera-Oscar – zum dritten Mal in Folge für den Mexikaner Emmanuel Lubezki. 

»The Big Short« hatte sich – mit dem Gewinn des Producers Guild of America Award im Rücken – in den letzten Wochen zu einem ernsthaften Favoriten entwickelt, musste sich aber am Ende mit der Auszeichnung für das "Beste adaptierte Drehbuch" zufrieden geben.

Die meisten Statuen – sechs an der Zahl – nahm an diesem Abend der Endzeit-Actionfilm »Mad Max: Fury Road« mit nach Hause. In den Kategorien Kostümdesign, Schnitt, Szenenbild und Tonschnitt, sowie -mischung schnappte der Film die Oscars der namhaften Konkurrenz weg.

Neben DiCaprio konnte sich am Ende die schon länger als Favoritin geltende Brie Larson über die Auszeichnung als "Beste Darstellerin" freuen. Spannender war es bei den Nebendarstellerinnen, wo sich am Ende die Schwedin Alicia Vikander für ihre Leistung in »The Danish Girl« gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen konnte.

Eine kleine Überraschung gab es bei der Vergabe des Preises für die visuellen Effekte, wo die verhältnismäßig günstige Produktion »Ex Machina« über Big Budget-Produktionen wie »Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht« oder »Der Marsianer– Rettet Mark Watney« triumphieren konnte.

Den Erwartungen entsprachen die Auszeichnungen von »Amy« als "Bester Dokumentarfilm", »Son of Saul« als "Bester fremdsprachiger Film" und »Alles steht Kopf« als "Bester Animationsfilm".

In den musikalischen Kategorien konnte der 87-jährige Ennio Morricone schließlich für die Musik von Quentin Tarantinos »The Hateful Eight« seinen ersten "richtigen" Oscar mit nach Hause nehmen. Bereits 2007 hatte er einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhalten. Beim "Besten Song" triumphierte wie schon bei den Golden Globes "Writing's on the Wall" von Sam Smith aus »James Bond 007 – Spectre«; der Live-Auftritt war allerdings misslungen.

Und Deutschland? Abgesehen vom Nebendarsteller-Oscars ging der von der MFG geförderte Film »Bridge of Spies: Der Unterhändler« leer aus. Neben der Nominierung für den "Besten Film", "die Tonmischung, die Filmmusik und das "Beste Original-Drehbuch" war auch das Szenenbild von Adam Stockhausen, Rena DeAngelo und dem Deutschen Bernhard Henrich nominiert worden. Auch in der Kategorie Kurzfilm ging ein deutscher Beitrag – »Alles wird gut« von Patrick Vollrath – leer aus.

Was bleibt? Eine solide Oscarverleihung mit einem Moderator, der souverän das Diversitätsproblem ansprach, sonst aber eher zahm blieb und keinen bleibenden Eindruck hinterließ. Mit »Spotlight« gewann ein gut geschriebener Schauspieler-Film, der aber mit seiner zurückhaltenden Inszenierung das Kino nicht revolutioniert. Die Oscarverleihung bleibt ein lohnenswerter Rückblick auf das vergangene amerikanische Kinojahr – in Deutschland sind ein paar der nominierten Filme noch gar nicht gestartet –, bei dem sich Hollywood schamlos auf die Schultern klopfen darf, aber in einer Zeit, wo der Ruf nach Gleichstellung vor und hinter der Kamera immer lauter wird, auch der Kritik stellen muss.

Meinung zum Thema

Kommentare

Yeah, endlich mal wieder ein 3.Reich-Film als bester frendsprachiger Film.... :-)

Jedes Jahr auf's Neue denke ich mir: Wie ööööööödeeeeeee. Der Glamour-Faktor mag beim Oscar am größten sein, aber künstlerisch ist dieser Filmpreis ausgesprochen mutlos; fast schon belangloser Mainstream.

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