Kritik zu Der Marsianer – Rettet Mark Watney

© 20th Century Fox

Ridley Scott kehrt ins All zurück: In seiner Bestsellerverfilmung nach Andy Weir kämpft Matt Damon als zurückgelassener Astronaut ums Überleben

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3.7 (Stimmen: 3)

An der alten Hollywood-Weisheit, dass Ridley Scott immer dann am besten ist, wenn er sich ins Weltall begibt, hatten nach »Prometheus« ja schon viele zu zweifeln begonnen. Doch mit »Der Marsianer – Rettet Mark Watney« belehrt der fleißige Altmeister nicht einmal ein Jahr nach seinem wenig beeindruckenden Altägypten-Abstecher »Exodus: Götter und Könige« eben diese Zweifler eines Besseren und bestätigt seinen altangestammten Ruf.

Nach einer abgebrochenen Marsmission wird der Astronaut und Botaniker Mark Watney (bestens aufgelegt: Matt Damon) in dieser Bestsellerverfilmung nach Andy Weir von seinem Team unter der Leitung von Captain Lewis (Jessica Chastain) totgeglaubt auf dem Planeten zurückgelassen. Doch wie durch ein Wunder überlebt er. Für den Moment zumindest, denn ewig reicht die Verpflegung nicht, Kontakt zur NASA gibt es keinen, und selbst wenn, würde eine Rettungsmannschaft mindestens vier Jahre brauchen, um ihn von der Erde aus zu erreichen. Doch Watney ist erstens mit einem bemerkenswerten Überlebenswillen und zweitens mit reichlich Pragmatismus gesegnet, deswegen denkt er gar nicht daran, sich seinem Schicksal zu ergeben. Und tatsächlich zeigt sich bald, dass man mit Kacke, Kartoffeln und Klebeband auf dem roten Planeten unerwartet weit kommen kann.

Dass man bei der Geschichte eines einsam gestrandeten Astronauten an neuere Filme wie »Gravity« oder »Interstellar« denkt, versteht sich von selbst. Doch diese Vergleiche erledigen sich schnell: »Der Marsianer« fokussiert sich nicht allein auf seinen Protagonisten, sondern erzählt – mit ebenso umfangreichem wie prominentem Ensemble von Jeff Daniels und Kristen Wiig bis Michael Peña und Chiwetel Ejiofor – auch von den Rettungsversuchen auf der Erde sowie seinen sich auf dem Rückweg befindenden Kollegen. Ganz abgesehen davon, dass es Scott nicht wie Alfonso Cuarón (»Gravity«) um möglichst spektakuläre Bilder von der Einsamkeit im Weltall, sondern um den Alltag in der Marskargheit geht, die er nichtsdestotrotz in grandiosen, aber nie effekthascherischen 3D-Bildern von Stammkameramann Dariusz Wolski einfängt.

Der Vergleich mit »Interstellar« ist ergiebiger, nicht nur weil auch dort schon Chastain mit von der Partie war und die (nicht sonderlich großen) Frauenfiguren in »Der Marsianer« nun deutlich interessanter sind. Vor allem hat Scotts Film nicht die schwere Last des philosophisch-esoterischen, bedeutungsschwangeren Überbaus zu tragen, unter dem »Interstellar« ächzend lahmte. Stattdessen setzen Scott und Drehbuchautor Drew Goddard auf eine fast bodenständige Sci-Fi-Erzählung, die sie mit Spannung, unverkrampfter Komik und, ja, jeder Menge Discosongs durchsetzen. Das Ergebnis ist vielleicht nicht tiefschürfend und sicher nicht so wegweisend wie einst »Blade Runner« oder »Alien«. Aber eben immerhin die wohl überzeugendste und unterhaltsamste Großproduktion des Jahres. Und obendrein Scotts bester Film in mindestens diesem Jahrzehnt.

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Meinung zum Thema

Kommentare

Eine beispielslose Rettungsaktion einer einzelnen Person, bei der unfassbare finanzielle Ressourcen und das Engagement der ganzen Weltbevölkerung mitspielt. Dies liess bei mir zwischenzeitlich den Gedanken der Verhältniskeit aufkommen. In einer Zeit in der fast täglich Flüchtlinge ertrinken, Frauen und Kinder Opfer in Kriegshandlungen werden, Naturkatastrophen u.s.w. Ist das Engagement und die eingesetzten finanziellen Ressourcen für diesen einzelnen Astronauten ein Hohn, gegenüber allen Opfern der Erde, die meist nicht mal eine Schlagzeile wert sind. Irgendwie krass.

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