Kritik zu Was uns nicht umbringt

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Sandra Nettelbeck macht in ihrem neuen Film die Figur des Psychotherapeuten Max aus ihrem Erfolgsfilm »Bella Martha« zum Zentrum eines Ensemblereigens ­deutscher Schauspielkunst

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Die Soundkünstlerin Sophie will nicht vergessen werden von ihrem Freund, der immer wieder zu spät oder gar nicht erscheint, wenn sie verabredet sind. Die Schriftstellerin Isabelle und der schwule Pilot Fritz werden mit dem Verlust ihres jeweiligen Lebensgefährten einfach nicht fertig. Der Bestatter Mark meint, inzwischen genug Trauernde getröstet zu haben. Die Tierpflegerin Sunny und ihren Kollegen Hannes verbindet mehr als ihre ­Zusammenarbeit, nämlich eine unausgesprochene ­Liebe. Und Loretta, Mutter zweier Töchter und späte Medizinstudentin, will ihrem Lover den nächsten, verbindlicheren Schritt in der Beziehung nicht gestatten.

All diesen Menschen und anderen begegnet man in Sandra Nettelbecks neuem Spielfilm »Was uns nicht umbringt«, und einige davon begegnen am Ende sogar einander. Sie alle befinden sich in einer mehr oder weniger profunden Krise und landen irgendwann auf der Couch des Psychotherapeuten Max (August Zirner), den rege Kinogänger aus Nettelbecks Publikumserfolgs »Bella Martha« (2001) mit Martina Gedeck als Köchin kennen. Hier nun schenkt die Regisseurin diesem Max mit einem eigenen Film gewissermaßen ein eigenes Leben. Gerade hat Max den vielleicht schwermütigsten Hund der Welt aus dem Tierheim geholt. Nun darf das Tier so stumm wie weise neben der Therapeu–tencouch lagern. Nicht alle, die dort Platz ­ nehmen, sind Patienten: Loretta beispielsweise ist die Exfrau von Max, findet aber, dass er sie dennoch behandeln solle – schließlich sei er der einzige Mann, dem sie nichts vormachen könne. Es geht um Entscheidungen in diesem Film: darum, wie es weitergehen soll im Leben des Einzelnen, und es geht um Gefühle. Und hier kommt die Musik (Volker Bertelmann) ins Spiel.

Davon gibt es in »Was uns nicht umbringt« zu viel und, so scheint es, mitunter auch die falsche. Gefühlsverstärkende Popsongs, wo doch die Gefühle, die manche Situationen gerieren, per se stark genug sind. Mitunter sogar unaushaltbar. Als etwa Fritz (toll: ­Oliver Broumis) gerade dann im Krankenhaus ankommt, als die Leiche seines Lebensgefährten aus dem Zimmer gefahren wird und er zusammenbricht, vermittelt sich sein Leid mit unmittelbarer Wucht.

Überhaupt sind es – neben dem guten Drehbuch mit seinen vielen klugen Sätzen (»Wir suchen uns nicht aus, wen wir lieben«) – die Schauspieler, die diesen Ensemblefilm über die vielen Facetten des Unglücklichseins dann doch zu einem Ereignis machen. Darsteller, die man vom Fernsehen zu sehr ausgebeutet glaubte, gelangen hier zu verdienter Geltung: so Christian Berkel als Bestatter und Bjarne Mädel als selbstloser Tierpfleger, der die zwangsgestörte Sunny (wunderbar: Jenny Schily) so unmerklich wie zart beschützt und sie die Pinguine eben vier Mal am Tag zählen lässt. Dazu kommen ausgewiesene Charakterdarsteller wie August Zirner (Max) oder auch Barbara Auer (Loretta). Nicht alle von den um die zwanzig Figuren kann dieser Film gleichermaßen im Blick behalten. Aber das liegt eben auch ­daran, dass die Welt klein ist, die Probleme aber groß sind.

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