Kritik zu The Vatican Tapes

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In Mark Neveldines kruder Variation auf ein Horrorfilm-Motiv geht es mal wieder gegen den Teufel. Kann uns nur die katholische Kirche retten?

Bewertung: 2
Leserbewertung
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2.3 (Stimmen: 3)

Im vorab verbreiteten Making-of erklärt Regisseur Mark Neveldine (Crank, Ghost Rider) ohne mit der Wimper zu zucken, die Handlung seines Filmes könne sich ganz genau so in der Wirklichkeit abspielen. Das ist Marketing, klar. Aber es deckt sich auch mit der ironiefreien Ernsthaftigkeit, mit der »The Vatican Tapes« seine Exorzismusgeschichte herunterbetet. Besonders mit der langen Anfangsmontage, einem Mix aus Medienausschnitten, Found Footage und knackig geschnittenen Horrorbildern, versucht der Film auf Teufel komm raus, seine Story in der Realität zu verorten.

Grundsätzlich ein kluger Schachzug: Auch die Meisterwerke des Genres, Polanskis »Rosemaries Baby« oder, mehr noch, Friedkins »Exorzist«, sind vor allem schmerzhafte Milieustudien, in die sich das Fantastische nur langsam einschleicht. Bei Neveldine ist der Realitätsanspruch dagegen Attitüde; er schummelt schon bei den wichtigsten Prämissen. Dass der Vatikan, den es noch gar nicht so lange gibt, seit 2000 Jahren Teufelsaustreibungen aufzeichnen soll: geschenkt. Schwerer fällt da schon ins Gewicht, dass der Film weder die Logik noch die Logistik der titelgebenden Überwachungsvideos in den Griff bekommt. Nie wird so richtig klar, wer da eigentlich schaut und wann – und wieso die Inszenierung auch ganz andere Perspektiven einnimmt. 

Alles andere ist der typische, ziemlich bieder und unoriginell abgespulte Humbug: Eine junge Frau (Olivia Taylor Dudley) hat das Böse in sich und wird von einem Priester (Michael Peña) und zwei Exorzisten des Vatikans der üblichen Austreibungsprozedur unterzogen. Wie all die anderen Low-Budget-Produktionen der letzten Jahre, die das Wörtchen »paranormal« im Titel tragen oder den garantiert letzten Exorzismus verheißen, bietet »The Vatican Tapes« mal mehr, meist weniger spannende Unterhaltung. Dass der Film wirkt, als sei er im Auftrag eines sehr grimmigen Vatikan produziert, spricht dabei nicht wirklich für ihn.

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