Kritik zu Und dann der Regen – También la lluvia

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Ein Regisseur und ein Produzent aus Spanien wollen in Bolivien einen kritischen Film über die Eroberung des Columbus’ drehen und sehen sich unversehens in den bis heute aktuellen Konflikt zwischen Indigenen und Eroberern geraten

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Eine prächtige Totale auf bewaldete Hügel, weiter Blick in fahles Grün. Auf einer Lichtung sind Männer an große Kreuze gefesselt, unter ihnen Scheiterhaufen. Um sie herum martialisch gerüstete Soldaten und federgeschmückte Indios, von Qualm umweht. Und irgendwann ein Kamerateam, das sich in der Szenerie bewegt. Wir sind auf dem Set eines Films, der zur Columbus-Zeit auf Kuba spielen soll, wo ein Aufstand der indigenen Taino gegen die spanischen Eroberer bitter scheitert. Die Kreuze sind mit dem Helikopter herbeigeschaffte Kulisse, Indios und Soldaten Statisten. Verantwortlich für den Film zeichnet ein spanisches Team, das – späte Abgeltung kolonialer Verbrechen – einen kritischen Historienfilm über die Conquista drehen will.

Mit Raffinesse haben die ebenfalls spanische Regisseurin Icíar Bollaín (Öffne meine Augen, 2003) und ihr Cutter in dieser Szene inszenierte Historie und den Akt ihrer Inszenierung ineinander aufgelöst, 16. und 20. Jahrhundert verschmolzen. Denn so einfach, wie sich der idealistische Regisseur Sebastián (Gael García Bernal) das wünscht, ist es mit der Wiedergutmachung nicht. Schnell wird aus dem wohlmeinenden Gönner selbst ein Ausbeuter. So lässt Produzent Costas (Luis Tosar) die kubanischen Szenen aus Budgetgründen statt in der Karibik im bolivianischen Hochland drehen, wo es genügend verarmte Nachfahren der Urbevölkerung als billige Statisten gibt. Dann wird das Team von Unruhen überrascht, die sich (wie 2000 wirklich vorgefallen) gegen den Verkauf der öffentlichen Wasserversorgung an einen US-Konzern richten. Sebastián fühlt solidarisch mit den Protestlern. Doch die sich ausweitenden Straßenschlachten bedrohen auch den Dreh, besonders als sich der Darsteller des Taino-Anführers Hatuey – ein stolzer Mann mit Christuslocken und entsprechender Schmerzensmannsphysiognomie – als zentraler Aktivist auch der aktuellen Unruhen herausstellt. Und so müssen Sebastián und Costas sich entscheiden zwischen ihrem politischen Filmprojekt und der aktuellen Politik auf der Straße.

So reizvoll das Spiel der Spiegelungen zwischen den drei etablierten Handlungsebenen auch ist, so bieder und holzschnittartig vorhersehbar sind die Szenen filmästhetisch umgesetzt. Das betrifft besonders das Drehbuch von Paul Laverty, das am Ende auch noch ein krankes Kindes einsetzt, um den anfangs skrupellosen Produzenten zur moralischen Einsicht und den Indio zur Versöhnung zu motivieren. Doch auch andere Teile sind Politkitsch nach gängiger Hausmacherart, nicht überraschend, wenn man weiß, dass Laverty auch für Ken Loach die Bücher schreibt. Ein kritischer Blick auf den Umgang des Weltkinos mit seinen Protagonisten wäre sicherlich angebracht, stößt sich hier aber schon an fehlender kritischer Aufmerksamkeit für das eigene Filmprojekt. Auch Und dann der Regen – eine französisch-spanische-mexikanische Produktion – wurde ja in Bolivien mit indianischen Statisten gedreht. Konsequent wäre es gewesen, solche Praxis und die Produktionsbedingungen wenigstens einmal selbstreflexiv zu streifen. So bleibt die ausgestellte Moral Attitüde.

 

 

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