Kritik zu RocknRolla

© Warner Bros. Pictures

Eigentlich ist es egal, was man von den Filmen von Guy Ritchie hält, sie bieten wenigstens die Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass britische Filmgangster sich geschmackvoll kleiden

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Guy Ritchie werde langsam der Woody Allen des Gangsterfilms, hat der englische Kinokritiker Cosmo Landesman in der »Sunday Times« bemerkt. Ritchies Fans würden bei jedem neuen Versuch des Filmemachers sagen: Jetzt ist er wieder in Form. Das liege aber nur daran, dass ein neuer Guy-Ritchie-Film nicht ganz so furchtbar sei wie der Guy-Ritchie-Film davor.

»RocknRolla« folgte im vergangenen Jahr auf das künstlerische und kommerzielle Debakel von »Revolver« mit Ray Liotta in der Hauptrolle. Das sollte ein Gangsterthriller mit Tiefgang werden, am Ende gelang weder das eine noch das andere. »RocknRolla« spielt in nun erfreulicher Weise in einer anderen Liga. Das in nur sechs Wochen mit einem handverlesenen Ensemble gedrehte Werk wirkt kraftvoll, vital, selbstbewusst – der Titel ist Programm.

Guy Ritchie ist wieder ganz bei sich. In einem Macho-Universum, in dem bürgerliche Moral abwesend ist und Werte wie Freundschaft und Loyalität die Basis funktionierender Beziehungen bilden. Sei dir selbst treu und deinen Freunden, diesem Imperativ folgen Leute wie One Two (Gerard Butler), Mumbles (Idris Elba) und Handsome Bob (Tom Hardy). Die drei stecken mitten in einem Plot, in dem es um fette Profite im Londoner Immobiliengeschäft geht; Ritchies Film entstand vor der großen Finanzkrise.

Hier tritt die alte Gangsterschule in Gestalt des Londoner Paten Lenny Cole (Tom Wilkinson) und seiner rechten Hand Archy (Mark Strong) gegen die neuen Wettbewerber an. Der Russe Uri Obomavich (Karel Roden) und sein Team sind ganz harte Hunde. Nur in Gesellschaft der undurchsichtigen Buchhalterin Stella (Thandie Newton) wird Obomavich weich. Doch er muss lernen: Schönheit ist eine grausame Geliebte. »Beauty is a cruel mistress.« Im Spiel ist auch noch Lenny Coles Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell), ein Rockstar mit Lizenz zur Selbstzerstörung.

Ritchies Film soll rocken, Gewalt ist für ihn Pop. Die Musik choreografiert Szenen, in denen es genrebedingt brutal zugeht. Sie gibt den Rhythmus und die Frequenz der Schläge vor. David Higgs' Kamera nimmt im Wortsinn »beats per second« auf. James Herbert, verantwortlich für den mitunter atemberaubenden Schnitt, verleiht manchen Vorgängen eine geradezu abstrakte Gestalt. Sex zwischen One Two und Stella dauert so höchstens fünf Sekunden.

Londons entspinnt sich der Konflikt zwischen Gangstertypen, die in verqualmten Kneipen Karten spielen, und jenen Figuren, die auf Luxusyachten ihre illegalen Geschäfte abwickeln. Ritchie beobachtet, wie politische Funktionäre vom organisierten Verbrechen eingekauft werden. Doch er ist kein Mann politischer Statements, sondern rauschhafter Bilder und Töne. Seine Figuren lässt er über Drogen und Tod philosophieren, über die gute alte Gangster-Zeit, den Sinn von knallharten Ohrfeigen, Homosexualität im Milieu und die russische Gefahr. Manchmal klingt das wie »Trainspotting« und »Pulp Fiction« à la Ritchie. Und Lou Reed singt dazu, diesmal »The Gun«.

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