Kritik zu The Report

© DCM/Amazon Studios

Scott Z. Burns inszeniert mit betonter Sachlichkeit die Ereignisse rund um die Senats-Untersuchung zu den Foltermethoden des CIA nach den Attentaten von 9/11

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Von seiner etwas willkürlich gewählten Erzählstruktur in Rückblenden und historischen Daten über den Einbau originären Archivmaterials bis zu den erklärungslastigen Dialogen fühlt sich »The Report« wie ein gutes altes TV-Dokudrama an. In diesem Fall ist das als Kompliment gemeint. Man traut dem Drehbuchschreiber von Filmen wie »Das Bourne Ultimatum« und »Contagion« zu, dass dieses »TV-Feeling« ein beabsichtigtes Stilmittel ist. Wenn Scott Z. Burns aus dem Stoff um einen Untersuchungsbericht der Folterpraxis des CIA während des Irakkriegs ein mehr action-betonten Film hätte machen wollen, hätte er das hinbekommen. So aber setzt sich »The Report« gewollt ab von den üblichen Geheimdienst-Thrillern: das Unheimliche, der Schrecken, der Schock – sie alle kommen hier nicht aus Paranoia-Gefühl oder dem Plan eines Bösewichts, sondern aus den bloßen, harten, historischen Fakten. Die manchmal schwerer zu schlucken sind als fiktive Geschichten über Weltbedrohungen.

Im Kino scheint »The Report« auf den ersten Blick trotzdem deplatziert, und der lediglich zweiwöchige Vorlauf, in dem Amazon den Film vor dem Start auf seiner Streamingplattform ins Kino bringt, als pflichtschuldige Erfüllung der Anforderung für mögliche Oscar-Nominierungen. Aber dann gibt es mitten im Film eine Szene, die den Kinostart noch einmal anders rechtfertigt: Daniel Jones (Adam Driver), ranghoher Ermittler in Sachen CIA-Folterpraxis im Auftrag der Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening), sieht »Zero Dark Thirty«, den mehrfach oscar-nominierten Film von Kathryn Bigelow, der die Jagd auf Osama bin Laden nach 9/11 nachstellt – und dabei sehr beiläufig, aber auch unmissverständlich erzählt, dass bin Ladens Versteck schließlich mittels Informationen gefunden wurde, die durch Folter ermittelt worden waren. Drivers Daniel Jones kann vor Wut darüber kaum an sich halten, stößt seine Untersuchung jenseits der an Kriegsgefangenen begangenen Horrortaten doch immer wieder auf ein absolut eindeutiges Ergebnis: Die Folter hat nichts gebracht. Nichts. Ein Verdächtiger wurde 109 Mal dem berüchtigten Waterboarding ausgesetzt – wie effektiv kann eine Methode sein, die man 109 mal wiederholen muss?

Dass Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal in dieser Hinsicht den Lügen der CIA aufgesessen sind, hat seinerzeit nur wenige interessiert. Weshalb es nur gut und richtig erscheint, dass »The Report« die Gegendarstellung nun auch auf der großen Leinwand liefert.

Die Polit-Intrigen, von denen »The Report« drum herum noch handelt, sind interessant und wichtig, verblassen aber im Vergleich zum Hauptargument: Die Folter war nicht nur grausam und eine Verletzung von Menschenrechten, sie hat nachweislich keinerlei brauchbaren Informationen hervorgebracht. Warum so viele Menschen immer wieder bereit sind, daran zu glauben, dass man »feindlichen Streitern« Daumenschrauben und Schlimmeres ansetzen muss, das zu untersuchen, wäre mal einen eigenen Film wert.

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