Kritik zu Nicht mein Tag

© Sony Pictures

Peter Thorwarth liebt die Verlierertypen aus dem Ruhrgebiet und hat ihnen mit Filmen wie Bang Boom Bang oder Was nicht passt, wird passend gemacht ein Denkmal gesetzt. Diesmal zeigt ein spießiger Bankangestellter, was in ihm steckt

Bewertung: 4
Leserbewertung
3.6
3.6 (Stimmen: 5)

Ein biederer Bankangestellter, seine zickig frustrierte Ehefrau, ein prolliger Exknacki und seine nuttige Freundin: Nach dem ersten Eindruck gibt es wenig Grund, diese Menschen zu mögen oder Vertrauen in die turbulente deutsche Komödie zu setzen, die sie bevölkern. Umso schöner ist es, wenn sie einem im Lauf der Ereignisse immer mehr ans Herz wachsen, mit all ihren Träumen und Schwächen, während die Komödie ihren vergnügten Zickzacklauf durch die deutsche Provinz und Holland nimmt. Da wäre zum Beispiel Till Reiners (Axel Stein), der in geordneten Verhältnissen lebt, mit einem Job bei der Bank in der rheinischen Kleinstadt Ost­hofen, seiner Frau (Anna Maria Mühe), die als Taschendesignerin neue Wege sucht, einem vierjährigen Sohn und dem Subaru seines vor einem halben Jahr verstorbenen Vaters.

War das wirklich schon alles? Ausgerechnet ein Bankräuber sorgt in diesem Moment, in dem sich sein Leben totgelaufen hat, für den erlösenden Kick. »Was ist denn hier los?!«, fragt Till noch entgeistert, als er aus seinem Büro in den Kassenraum der Bank tritt, in dem Mitarbeiter und Kunden auf dem Boden liegen, da stürmt bereits ein amateurhafter Bankräuber mit Mister-T-Maske heran. Da sich sein Fluchtfahrer (Frederick Lau in einem der prominenten Cameo-Auftritte des Films, zu denen sich auch Til Schweiger und Milan Peschel gesellen) aus dem Staub gemacht hat, nimmt Nappo (Moritz Bleibtreu) spontan Till samt Auto als Geisel und setzt damit ein aberwitziges Buddy-Movie Abenteuer in Gang, das allemal spannender ist als Tills Alltag und erstaunlicherweise bald auch für Nappo zur Bereicherung wird. So punktet der spießige Bankangestellte beispielweise, wenn er ein durch die Wiesen hoppelndes Kaninchen zum Braten mit Biersauce und Rosmarin erklärt, oder raubeinige Autohehler beim Kauf eines 68er-Vintage-Mustangs mit einer sachlichen Rechtsbelehrung von ihren überzogenen Forderungen abbringt. Der ein wenig unterbelichtete Nappo wäre jedenfalls nicht drauf gekommen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass ein fast 40 Jahre altes Auto nur 12 000 Kilometer drauf hat. Mit langen Haaren und Beinahe-Vollbart wirft sich Moritz Bleibtreu mit rückhaltloser Verve und widerspenstigem Charme in die Rolle des Kleingangsters. Erdacht wurde seine Figur von Ralf Husmann, der ein ausgeprägtes Faible für die Peinlichkeiten des Lebens hat.

Immer wieder macht sich der Film kleine Umwege, Missverständnisse und Missgeschicke komödiantisch zunutze, so ahnt Tills Frau durch eine Kette verpasster Gelegenheiten lange nichts von der Gefahr, in der Till schwebt, und reagiert entsprechend schnoddrig auf seinen Beruhigungsanruf. Mit den bürgerlich theoretischen Fähigkeiten des Angestellten und den praktisch kriminellen Ener­gien des Gangsters ergänzen sich die beiden wunderbar, der eine draufgängerisch forsch, der andere vorsichtig bedacht. Als Nappo Till vor seinem Haus absetzt, ist dieser jedenfalls schwer enttäuscht darüber, so schnöde in sein altes Leben entlassen zu werden, und durchaus erfreut, als es in eine zweite Runde in Holland geht.

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