Kritik zu Mein Bester & ich

© Constantin Film

2017
Original-Titel: 
The Upside
Filmstart in Deutschland: 
21.02.2019
L: 
118 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Das amerikanische Remake des französischen Welthits »Ziemlich beste Freunde« hat überraschend lang auf sich warten lassen. Nun spielen Kevin Hart und Bryan Cranston die unwahrscheinliche, wahre Geschichte einer Männerfreundschaft nach

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Angesichts der enorme Erfolge, den »Ziemlich beste Freunde« 2011/12 überall in der Welt feiern konnte, überrascht es ein wenig, dass das US-amerikanisches Remake erst 2017 entstanden ist. In die letzten Jahre der Präsidentschaft von Barack Obama hätte dieses moderne Märchen von der Freundschaft eines weißen, querschnittsgelähmten Milliardärs zu einem afroamerikanischen Kleinganoven perfekt gepasst. Schließlich ist es von der Hoffnung auf ein Amerika erfüllt, in dem soziale und ethnische Schranken nach und nach fallen. Im Jahr 2018 wirkt »Mein Bester & ich« dagegen irritierend anachronistisch. Gerade seine optimistische Grundhaltung passt so gar nicht zu einer Zeit, in der die Risse innerhalb der amerikanischen Gesellschaft immer größer und tiefer werden.

Schon das Original stand in einem deutlichen Widerspruch zu den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Frankreich des frühen 21. Jahrhunderts. Aber dessen waren sich die Filmemacher bewusst. Die Komödie, die sowohl die Welt der alten Aristokratie wie die der Banlieues satirisch überzeichnet hat, war als idealisierender Gegenentwurf zum bestehenden Status quo angelegt. Der Hinweis, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht, macht ausnahmsweise Sinn. Die Wirklichkeit schwang selbst in den märchenhaftesten Momenten des Films noch mit.

Das Remake ignoriert das politisch-utopische Potenzial der Geschichte. Hier wird die Freundschaft zwischen Phillip (Bryan Cranston) und dem auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Dell (Kevin Hart) zur reinen Hollywood-Fantasie. Einmal fragt Dell den reichen Mann, der ihn als Pfleger engagiert hat, ob er sein Vermögens geerbt habe. Natürlich verkündet der Milliardär daraufhin, dass er sich alles, was er besitzt, selbst erarbeitet hat. So funktionieren die Vereinigten Staaten in den Augen der Studiobosse und Produzenten. Jeder ist seines Glückes Schmied, unabhängig davon, wer gerade im Weißen Haus sitzt oder welche Hautfarbe man haben mag. Dementsprechend verwandelt Kevin Hart seinen Dell in eine typische Kevin-Hart-Figur.

Unter der Fassade des sich vor allem mit coolen Sprüchen behauptenden (Klein-)Kriminellen verbirgt sich natürlich ein biederer und strebsamer Familienvater, der nur einen kleinen Anstoß braucht, um sein Leben endlich in den Griff zu bekommen. Schon zieht er sich am eigenen Schopf aus seinem Elend. Dieses uramerikanische Märchen erzählt »Mein Bester & ich« durchaus geschickt. Gerade in den Szenen zwischen Dell und seiner Exfrau, die ihren gemeinsamen Sohn allein großziehen musste, entwickelt der Film ein sentimentales Pathos, dem man sich nur schwer entziehen kann. Dass Dells Sohn ein vorbildlicher Einser-Schüler ist, versteht sich in der schöngefärbten Welt des Films von selbst. Und genau in diesen Klischees offenbart sich der entscheidende Unterschied zwischen Original und Remake. Während die Zuspitzungen in »Ziemlich beste Freunde« etwas über die europäische Realität verraten haben, übertünchen Burgers Übertreibungen die gegenwärtige Wirklichkeit nur.

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