Kritik zu Me Too – Wer will schon normal sein?

© Movienet Film

Bereits der zweite international erfolgreiche Behindertenfilm aus Spanien. Der mit Downsyndrom geborene Pablo Pineda spielt selbst die Hauptrolle

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Die Frage: Was ist Normalität? ist das A und O des Films, der seine Zuschauer mit komödienhaftem Charme erobert, doch stets ernste Hintergedanken verfolgt. Dafür sorgt schon die Hauptfigur Daniel, die als Alter ego von Pablo Pineda angelegt ist, der tatsächlich als der erste Akademiker mit Downsyndrom europaweit Aufsehen erregte. Dass er es durch die besondere Zuwendung und Förderung seiner Familie so weit gebracht hat, mit allen Mitteln auf Normalsein konditioniert wurde, ist aber nur eine Variante des Problems. Durch die Begegnung mit der aufregenden Blondine Laura (Lola Dueñas), in die sich Daniel auf seiner ersten Arbeitstelle sofort verliebt, wird alsbald die andere Seite der Normalität herausgekitzelt. Die in Wirklichkeit instabile, etwas verwahrloste, liebesunfähige junge Frau hat nämlich der ganz normale Wahnsinn einer bürgerlichen Familie aus der Bahn geworfen. Sie sind beide Außenseiter und doch trennen sie Welten. Wie im Spiegel erzählt der Film noch die Parallelgeschichte von Pedro und Luisa, beide Downsyndrom-Kranke, die sich in der Tanzschule kennenlernen, denen wiederum eine »erwachsene« Liebe nicht zugestanden wird.

Immer wieder lotet der Film die Grenzen aus, die von der Instanz Gesellschaft mit ihren normativen und weitgehend von uns verinnerlichten Regeln gezogen werden, verschont auch nicht die wohlmeinenden Eltern und deren als Fürsorge getarnter Eigennutz. Jeder muss sein eigenes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen finden, auf seine Art erwachsen werden – so in etwa lautet die Botschaft des Films. Der flapsige deutsche Untertitel »Wer will schon normal sein?« unterstreicht hingegen die falsche Solidarität, die jedem wirklich mit den Normen ringenden Menschen in den Rücken fällt. Auch wundert man sich von Anfang an, dass die zentralen Figuren mit Downsyndrom alle einem halbwegs normativen Schönheitsideal zu gehorchen scheinen, als wolle man dem Zuschauer doch nicht zu viel Toleranz auf einmal abverlangen.

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