Kritik zu The Man with the Iron Fists

© Universal Pictures

2012
Original-Titel: 
The Man with the Iron Fists
Filmstart in Deutschland: 
29.11.2012
R: 
L: 
96 Min
FSK: 
16

Unter der Schirmherrschaft von Meister Tarantino konnte sich Rapper RZA seinen Kindheitstraum erfüllen und eine märchenhafte Action-Extravaganza inszenieren, die vor allem eine wilde Hommage an die klassischen Kung-Fu-Filme der 70er Jahre ist

Bewertung: 3
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RZA, Spiritus Rector des Wu-Tang Clans, der Supergruppe des Raps, ist seit früher Kindheit filmverrückt. Besonders angetan haben es ihm die Martial-Arts-Filme aus Fernost, die er in den 70er und frühen 80er Jahren in den berühmt-berüchtigten Kinos der 42nd Street in New York hautnah erlebt hat. Wu-Tang Clan, der Name seiner Band, rührt so auch von dem Shaw-Bros.-Film Shaolin and Wu Tang her, einem seiner Lieblingsfilme. Rhythmus, Moral und Poesie dieser Filme haben zweifellos seine Musik beeinflusst. Aber der cinephile RZA hat in den letzten Jahren auch direkt im Filmgeschäft gearbeitet: als Komponist bei Ghost Dog und bei Kill Bill sowie als Schauspieler unter anderem in American Gangster. Die Zusammenarbeit mit Tarantino bei Kill Bill hat letztendlich zur Realisation von RZAs Regiedebüt geführt. Die Idee zum Film trug er seit seiner Jugend mit sich herum; am Drehbuch arbeitete er über ein Jahr mit Eli Roth, einem anderen Tarantino-Genossen.

Wie sehr viele Debüts ist auch RZAs Film ein überbordendes Stück Kino, bei dem jede Einstellung vor Stunts, Spezialeffekten und einer aberwitzigen Detailverliebtheit zu bersten droht. Im Grunde ist The Man with the Iron Fists ein Märchen – ein Actionmärchen aus Versatzstücken des Kung-Fu- und des Samuraifilms, des Euro-Westerns und des Blaxploitation- Kinos. Der Film spielt in einem chinesischen Dorf namens Jungle Village während des 19. Jahrhunderts. Alle möglichen und unmöglichen Hasardeure und Glücksritter kommen dort zusammen, nachdem der Sündenfall geschehen ist: Der ehrgeizige Silver Lion hat einen Clan-Ältesten ermordet, der ihn wie seinen eigenen Sohn aufgezogen hat. Vertrauen und Verrat in familiären, politischen und amourösen Angelegenheiten sind die heimlichen Themen des Films. Die Action und Melo verknüpfende Handlung dreht sich darum, wer den bösen Silver Lion unterstützt und wer zu dem guten Zen Yi hält, der den Tod des Clan-Ältesten rächen soll.

Das mannigfaltige Personal des Films trifft sich vor allem im Puff der Madame Blossom, der als Explosion in rosafarbenen Tönen gestaltet ist. Die artifizielle Präsentation der Freudenhauswelt verweist über die Kung-Fu-Filme hinaus auf ganz andere Arten des Kinos: auf die bizarre Exotik eines Josef von Sternberg (etwa in Shanghai Gesture) oder auf den physischen Slapstick eines Jerry Lewis, dessen Ladies Man einmal zitiert wird. Eine Figur, die sich pudelwohl fühlt im Burlesk-Biotop des Bordells, ist der britische Söldner Jack Knife, den Russell Crowe als Freibeuter der Erotik gibt.

RZA selbst spielt den bescheidenen Waffenschmied des Dorfes – einen Lehrling und Märtyrer des Lebens. Leider bleibt gerade seine Figur blass. Der Film ist der Versuch, ein Ganzes zu schmieden aus disparaten Elementen und reizvoll unterschiedlichen Figuren. Man könnte ihn auch lesen als ein Actionmusical über die Entstehung einer Rock- oder Rap-Band. Die vielen Ideen, Inspirationen und Details aber wollen keine Einheit ergeben, sie bleiben oft genug verlorene Verzierungen, Rhythmen ohne Melodie.

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