Kritik zu Madame

© Studiocanal

2017
Original-Titel: 
Madame
Filmstart in Deutschland: 
30.11.2017
Musik: 
L: 
91 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Als Komödie angelegt, entwickelt sich Amanda Sthers' zweite Regiearbeit von einer Aschenputtel-Geschichte zu einer Gesellschaftssatire. Toni Collette und Rossy de Palma laufen darin zu Höchstform auf

Bewertung: 3
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Wohl keiner kann so hinreißend ­dramatisch lieben und leiden wie Pedro Almodóvars Heldinnen, gespielt von Carmen Maura, Victoria Abril, Penelope Cruz und ganz besonders von Rossy de Palma, dieser großen Frau mit dem schiefen Gesicht, der charaktervollen Nase und den tiefschwarzen Augen und Haaren. Sie verkörpert den Inbegriff einer Spanierin mit Leiden und Leidenschaft. Sie ist ein Glücksgriff für Drehbuchautorin und Regisseurin Amanda Sthers, deren zweite Regiearbeit ohne die großartige Spanierin wohl zu reinem Klamauk verkommen wäre.

Die von de Palma gespielte Hausangestellte Maria wird unversehens selbst zur »Madame«, lebenslustig, dankbar, ein wenig naiv. Zu verdanken hat sie dies ihrer ­»Madame«, Anne (Toni Collette), dünn, essgestört, herrlich zickig und mit dem sehr viel älteren, von der Pleite bedrohten Bob ­(Harvey Keitel) verheiratet. Anne drängt Marie dazu, für einen einzigen Abend in die feine Gesellschaft einzutauchen, damit ein Dinner nicht zum Desaster wird. Das wird es dann natürlich doch, zumindest für ­Anne. Maria findet Gefallen an dem Schauspiel und an Kunsthändler David (Michael Smiley), sehr zum Entsetzen ihrer Herrschaften.

Die Amerikaner Anne und Bob haben für eine Weile ihre Zelte in einem herrschaftlichen Haus in Paris aufgeschlagen. Bob muss dringend ein wertvolles Gemälde verkaufen, um den eigenen Lebensstandard und den seiner Frau samt zweier kleiner Kinder zu finanzieren. Ganz zu schweigen von dem in London lebenden Schriftstellersohn aus erster Ehe Steven (Tom Hughes), der an einer Schreibblockade leidet, was seiner durchaus charmanten Arroganz aber nichts anhaben kann.

Um ihren Status auch in Paris zu festigen, lädt Anne zum Dinner mit illustren Gästen, potenziellen Gemäldekäufern und eben dem Kunsthändler David ein. Weil der ungeliebte Stiefsohn unerwartet auftaucht, ist plötzlich für 13 Personen eingedeckt, ein Unding für die perfektionistische Anne. Also muss Maria als 14. Gast herhalten. Nachdem sie sich anfänglich sichtlich unwohl fühlt, fügt sie sich im Laufe des Abends immer mehr in die Rolle und ist dabei vielmehr sie selbst. Die übrigen Gäste sind erst vornehm echauffiert und dann doch angenehm amüsiert – insbesondere der Kunsthändler David, der ein ehrliches Interesse an Maria zu entwickeln scheint. Ob er sie allerdings auch derart umworben hätte, wenn er um ihre wahre Identität gewusst hätte, bleibt bis zum Ende offen.

Was als Aschenputtel-Geschichte (Schuhe spielen tatsächlich eine Rolle) beginnt, führt jedoch nicht zu einem märchenhaften Ende. Das weiß die verspannte Anne zu verhindern. Es passt nicht in ihr Weltbild, dass sich ein gut situierter, gebildeter und angesehener Mann in eine nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechende Hausangestellte verliebt. Da flirtet sie lieber selbst mit dem russischen Kunstsammler und spinnt eigene Intrigen, während sich ihr Mann mit der jungen Französischlehrerin amüsiert.

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