Kritik zu Karo und der liebe Gott

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Wie kann ein achtjähriges Mädchen mit der Trennung der Eltern fertigwerden? Klingt nach Problemfilm, erweist sich aber als zauberhaft leicht erzählte, philosophisch-lebenskluge Parabel

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Ein Kinderfilm, der auch Erwachsene bezaubern kann, weil er wirklich aus der Perspektive des Kindes erzählt ist, weil er seine Wahrhaftigkeit und seinen Witz aus der Komplizenschaft mit der Heldin hervorgehen lässt. So entfaltet die österreichische Filmemacherin Danielle Proskar (Jahrgang 1964, Absolventin der Wiener Filmakademie) das Universum der achtjährigen Karo (Resi Reiner) als komödiantisch funkelnden Widerstreit von kindlicher Wunschfantasie und nüchternem Realismus.

Gerade als sie ihre Erstkommunion feiert, wird Karo mit der bitteren Tatsache konfrontiert, dass sich ihre Eltern trennen wollen. Der Vater, Peter Lenz (Markus Gertken), sinnigerweise Moderator einer TV-Dating-Show, hat sich in seine Maskenbildnerin verliebt. Die Mutter Alice (Petra Morzé) – eine Pianistin,die für das Kind ihre Karriere hinten angestellt hat – zieht mit Karo in eine neue Wohnung um und wird später bei einem jungen, netten Saxofonisten Trost finden. Für Karo bricht die Welt zusammen, sie will mit allen Mitteln erreichen, dass Mami und Papi wieder zusammenfinden. Als erstes bittet sie per Walkie Talkie um himmlischen Beistand und gerät so an einen versoffenen, einsamen, brummigen Grantler (Branko Samarovski), den sie für den »Lieben Gott« hält. Keine überirdische Erscheinung ist dieser »Liebe Gott«, sondern eine sehr erdige, verwahrloste Existenz.

Der alte Penner alias »Lieber Gott« und das kleine Mädchen: wunderbar, wie die Beziehung zwischen beiden – das Herzstück des Films, das darstellerisch brillant durchgezeichnet ist – wendungsreich und subtil entwickelt wird, bis am Ende eine innige Vertrautheit entsteht. Zuerst weist der Alte Karo immer wieder als »Nervensäge« ab, aber er ist gerührt von der Hartnäckigkeit, mit der sie ihn um Hilfe anfleht. Die Poesie der kindlichen Fantasie macht ihn weich, fordert ihn heraus, wenn Karo die göttliche Allmacht zum Beispiel so definiert, dass sie »Zuckerwatte auseinanderknoten und wieder Zucker draus machen kann«. Da lässt er sich dann allerlei Strategien und Ratschläge einfallen, wie man die Eltern wieder zusammenknoten könnte: von der gemeinsamen Bootsfahrt zum Geburtstag über das nostalgische Tangotanzen bis zum herzzerreißenden Auftritt Karos in der Show des Vaters: »Du bist unser Traummann, Papi!«

Karo hat immer wieder Grund, an der Allmacht ihres »Lieben Gottes« zu zweifeln, denn seine Ratschläge sind nicht sonderlich erfolgreich. Sie nennt ihn dann auch mal schlicht einen »alten Saufkopf«, aber sie möchte doch irgendwie an seine Himmlischkeit glauben. So verwandelt das kindliche Vertrauen den alten Mann zum weisen Lebenslehrer. Wenn schließlich alle Versöhnungsstrategien für Karos Eltern fehlgeschlagen sind, hat der »Liebe Gott« die entscheidende Lektion bereit: Karo muss akzeptieren, dass sich die Eltern nicht mehr verstehen und ihre separaten Wege gehen. Und sie kann das auch, weil sie durch den Beistand des Alten und die Freundschaft mit dem Nachbarmädchen Ina einen neuen Lebenshalt gefunden hat.

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