Kritik zu Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka

© Koch Media

2016
Original-Titel: 
Au nom de ma fille
Filmstart in Deutschland: 
20.10.2016
Musik: 
V: 
L: 
87 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Nach einer wahren Begebenheit: Daniel Auteuil spielt einen Mann, der den Mörder seiner Tochter in Deutschland entführt und an die französische Justiz ausliefert

Bewertung: 3
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Mehr als dreißig Jahre lang beschäfigte das Justizdrama um den Tod Kalinka Bamberskis, Gerichte und Öffentlichkeit in Deutschland wie in Frankreich – und vor allem den Vater des Mädchens, der, seit seine 14-jährige Tochter am 10. Juli 1982 tot im Hause ihres Stiefvaters in Lindau gefunden wurde, den Mörder vor Gericht zu stellen versuchte. Eine schlampig durchgeführte Obduktion, halbherzige staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und eine sture deutsche Justiz, die den in Frankreich verurteilten Stiefvater Dieter Krombach nicht ausliefern wollte, führten dazu, dass André Bamberski im Oktober 2009 das Recht selbst in die Hand nahm, Krombach entführen und ihn gefesselt in der Nähe einer Polizeiwache im französischen Mülhausen abliefern ließ.

Es ist eine wahre Geschichte von epischer Wucht, die der französische Filmemacher Vincent Garenq mit »Im Namen meiner Tochter – der Fall Kalinka« auf die Leinwand bringt; im amerikanischen Kino würde sie wohl als Vorlage für einen klassischen Rachethriller dienen. Vielleicht gerade deshalb fährt Garenq die emotionalen Fliegkräfte seiner Geschichte gezielt herunter und bemüht sich, die Tragödie in einer eher nüchternen Erzählform zu inszenieren. Dabei bleibt die väterliche Perspektive, aus der die Geschehnisse dargestellt werden, unangefochten – beruht das Skript doch auf dem gleichnamigen Buch von André Bamberski. Auch die Besetzung des international bekannten Publikumslieblings Daniel Auteuil, der Bamberski mit großer Klarheit spielt, lässt keinen Zweifel an der moralischen Integrität der Hauptfigur, die mit ihrem Kampf um Gerechtigkeit an die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit gerät.

Der Film beginnt im sonnendurchfluteten Marokko, wo der Buchhalter André mit seiner Frau Dany (Marie-Josée Croze) und den beiden Kindern lebt, bis sich Dany auf eine Affäre mit dem deutschen Arzt Dieter Krombach (Sebastian Koch) einlässt, was zur Scheidung führt. Als André Jahre später vom Tod seiner Tochter erfährt, weichen Schock und Trauer bald einem schrecklichen Verdacht. Der Vater ist schon bald davon überzeugt, dass Krombach die 14-Jährige missbrauchte und für ihren Tod verantwortlich ist. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Ermittlungen in dem Fall neu aufzurollen.

Garenq, der sich an den Ablauf der realen Ereignisse hält, gelingt es nicht immer, den verwinkelten Rechtsstreit in eine schlüssige Dramaturgie zu kanalisieren. Da kann ein Film wie Markus Schleinzers »Michael«, der sich an den Fall Kampusch anlehnt, ohne ihn abbilden zu wollen, zielstrebiger zum Kern der Begebenheiten vordringen. Das beschränkende Konzept von juristischer Realitätsnähe und Vaterperspektive wird vor allem an der Figur der Mutter des verstorbenen Mädchens deutlich, die ihren zweiten Mann viel zu lange gegen jeden Verdacht verteidigt und eigene Schuldverstrickungen zu verleugnen sucht. Nur vage rührt der Film an die Komplexität dieser Verdrängungsleistung, die eine differenziertere Analyse verdient hätte.

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