Kritik zu Für immer Adaline

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Forever young: »Gossip Girl« Blake Lively ist in dieser melancholischen Zeitromanze in ihrer ersten Kinohauptrolle zu sehen – als 107-Jährige mit dem Aussehen einer 29-Jährigen

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Adalines ewige Jugend, die ihr als ungewolltes Geschenk in den Schoß gefallen ist, könnte als warnendes Beispiel für die Risiken und Nebenwirkungen eines allgemeingültigen Wunschtraums durchgehen. 1906 geboren, hört sie 1935 nach einem mysteriösen Autounfall auf zu altern. In der Jetztzeit betrachtet die bildschöne Blondine die Welt mit den abgeklärten Augen einer 107-Jährigen, wissend, kultiviert – und tief traurig. Den coolen Ennui anderer Unsterblicher, etwa der dandyhaften Vampire in Jim Jarmuschs »Only Lovers Left Alive« oder der »Twilight«-Sippe, besitzt sie leider nicht. ­Blake Lively, die in Oliver Stones Drogenthriller »Savages« als anschmiegsames California Girl der Inbegriff einer dekadenten »Carpe diem«-Figur war, trägt hier stattdessen eine stille Wehmütigkeit zur Schau. Adaline hat, so die Erklärung für ihre eingefrorene Leidensmiene mit dem immerwährend ersterbenden Lächeln auf den geschminkten Lippen, so viele Weggefährten und Schoßhunde betrauert, dass sie sich keine tieferen Gefühle mehr erlaubt. Als erlösender Märchenprinz tritt Millionär Ellis (Michiel Huisman aus »Game of Thrones«) auf, der die mysteriöse ­Bibliothekarin Jenny/Adaline hartnäckig freit.

Gedanken, wie sie sich etwa die unsterbliche Elbin Arwen über ihren menschlichen Gefährten Aragorn macht, wird wenig Zeit eingeräumt. Statt als Meditation über Endlichkeit entpuppt sich dieser Film von Lee Toland Krieger (»Celeste & Jesse«) als Ausstattungsromanze, die anfangs Adalines Lebensstationen in nostalgischen Bildern Revue passieren lässt und mit kennerischen Details die grassierende Vintage-Begeisterung bedient. Quer durch die Moden des vergangenen Jahrhunderts in unendlich viele schöne Kostüme gekleidet, die Haare stets in akkurate Wasserwellen im Glamourstil der Dreißiger gelegt, dient Lively hier im Grunde nur als Anziehpuppe. Adalines nomadisches Leben mit wechselnden Identitäten wird knapp durch einen Entführungsversuch des FBI wegerklärt. Ebenso gründlich entschärft werden subversive Zeit-Twists, etwa die Paradoxie einer Mutter-Tochter-Beziehung, in der die Tochter eine gebrechliche Greisin (gespielt von der 82-jährigen Ellen Burstyn) ist. Dramatisches Gewicht hat einzig der Auftritt von Harrison Ford als Ellis' Vater; sein Herzweh beim Anblick von »Jenny« ist ergreifender als alles andere.

So ist diese Romanze ein Märchen, das zwischen Karma und Kunstgewerbe überaus gekonnt die Klischees eines Frauenfilms bedient. Die ausdruckslose, stets perfekt ondulierte Heldin geht Berufen wie Zuckerbäckerin, Floristin oder PR-Frau nach, ihre ökonomische Basis bleibt ein schwarzes Story-Loch: Das Geld stammt à la »Forrest Gump« aus zufälligen Aktieninvestitionen oder von Ellis' ominösen Internetalgorithmen, die in dieser smartphonefreien Romanze nie genauer erläutert werden. Immerhin, ihr langes Leben hat Adaline zu einem Champion in »Trivial Pursuit« gemacht.

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