Kritik zu Feinde – Hostiles

© Universum Film

2017
Original-Titel: 
Hostiles
Filmstart in Deutschland: 
31.05.2018
S: 
Musik: 
L: 
134 Min
FSK: 
16

Ein tougher Captain der US-Army, ein alter Cheyenne-Häuptling und ein Trupp Soldaten auf gefährlichem Weg: Die Zutaten von Scott Coopers Western sind klassisch, die Umsetzung ist eher ungewöhnlich

Bewertung: 3
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Es ist eine furiose, erschütternde Eingangssequenz: Ein Mann steht in weiter, wunderschöner Landschaft vor einem Blockhaus und sägt Holz, drinnen gibt seine Frau den Töchtern gut gelaunt Schulunterricht. Ein Bild des Friedens. Der aber wird jäh zerstört, als eine Gruppe Indianer am Horizont auftaucht und rasch näher kommt, in blutroter und schwarzer Kriegsbemalung. Dann geht alles sehr schnell: Ein Inferno bricht los, eindringlich wie wenige Szenen anderer Western.

Scott Cooper malt wahrlich nicht das romantische Bild vom edlen Wilden nach. Die Komantschen, die im Jahr 1892 – nach dem Ende der Indianerkriege – nur noch in kleinen Gruppen die Prärie unsicher machen, verschonen selbst Frauen und Kinder nicht. Klar ist aber auch von Anfang an, dass die Weißen die Spirale der Gewalt in Gang gebracht haben. Leidtragende sind in »Hostiles« letztlich alle. Es ist kein Film über Helden, sondern über Menschen, die traumatisiert sind, durch erlittene wie durch verübte Gewalt. Deren Dynamik betrachtet Cooper in verschiedenen Spielarten, von der Selbstverteidigung über die Vergeltung bis zum sadistischen Exzess. Cooper führt damit die Themen seiner vorigen Arbeiten »Auge um Auge« und »Black Mass« konsequent fort, erzählt nun aber sehr beharrlich, stellenweise leider auch sentimental, von den Möglichkeiten der Versöhnung.

Einer der Traumatisierten ist der US-Captain Joseph Blocker, der viele Freunde im Krieg verloren hat und im Ruf steht, nicht nur ein fähiger Offizier, sondern auch ein Schlächter zu sein. Christian Bale spielt den erbitterten Indianerhasser großartig, mit Mut zum Abstoßenden, aber immer sichtbar bleibender Verletztheit, so dass die spätere Wandlung seines Charakters durchaus glaubwürdig ist. Blockers indianisches ­Spiegelbild, ebenfalls Gezeichneter und Täter, ist der alte Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), der seit sieben Jahren in Gefangenschaft lebt und dem nun erlaubt wird, auf dem Stammesgebiet zu sterben – er ist krebskrank. Ausgerechnet Blocker soll dem Cheyenne und seiner Familie Geleit geben. Nur mit schwerer Erpressung bringt sein Vorgesetzter ihn dazu, sich mit den Schutzbefohlenen sowie wenigen Soldaten auf den gefahrvollen Weg nach Montana zu machen.

Unterwegs kommen sie zum Schauplatz des Massakers vom Filmbeginn und bergen die vor Trauer halb wahnsinnige Mutter aus den Trümmern ihres verbrannten Hauses. In ungewöhnlicher Ausführlichkeit und Intensität stellt Rosamund Pike ihre Verzweiflung und ihren Hass dar. Gleichwohl wird ausgerechnet sie auf dem weiteren Weg für den Prozess der Verständigung innerhalb der Gruppe ausschlaggebend sein, als der äußere Druck wächst. Denn die Komantschen verfolgen nun auch Blockers Trupp.

Scott Cooper geht souverän mit den klassischen Western-Topoi und -bildern um, greift Motive von John Fords Kavalleriewestern über Aldrichs »Ulzana« bis hin zu »Meek’s Cutoff« von Kelly Reichardt auf, um die von Gewalt gezeichnete Seele des Genres gleichsam von innen heraus zu therapieren. Er lässt seinem Kameramann Masanobu Takayanagi Raum für prächtige Landschaftspanoramen wie für erdig-realistische Nahaufnahmen, die auch dank der detailverliebten Ausstattung und der gewissenhaften Wiedergabe von Sprache und Ritualen der Cheyenne überzeugen. Gerade weil die Inszenierung über weite Strecken von elegischer Ruhe geprägt ist, wirken die Einbrüche von Gewalt umso brutaler und sinnloser. Gelungen ist es Cooper auch, die Verbrechen und den Rassismus der Weißen gegen die indigene Urbevölkerung als Fundament der Gewalt herauszustellen.

Leider verzettelt sich das Drehbuch in der zweiten Hälfte der Reise. Zu viele Nebenstränge, in denen zu viele Figuren in zu viele Versöhnungsgesten verwickelt werden, führen zur zähen Übererfüllung der Mission, bevor der Film im Finale wieder so wortkarg wie kraftvoll wird. Gut getan hätte insgesamt weniger Ostentatives und die Konzentration auf weniger, dafür feiner ausgestaltete Figuren – allen voran etwa der alte Cheyenne.

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