Kritik zu Drachenzähmen leicht gemacht

© Paramount Pictures

2010
Original-Titel: 
How to Train Your Dragon
Filmstart in Deutschland: 
25.03.2010
L: 
98 Min
FSK: 
6

Das hätte Wickie sich nicht träumen lassen – das neueste Werk aus der Dreamworks-Fabrik spielt auf einer Wikingerinsel, wo das Drachenbekämpfen Alltag ist

Bewertung: 4
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Die Helden der Dreamworks-Produktion sind meist Underdogs, die aus den unterschiedlichsten Gründen von ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen sind und sich auf fantasievolle Weise rehabilitieren müssen, um sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Ob Z in »Antz« oder »Shrek«, ob »Kung Fu Panda« oder Susan aus »Monsters vs Aliens«, immer gehen die Helden durch ein tiefes Tal der Verzweiflung und müssen in der Konfrontation mit ihrer Umwelt ihre eigenen Talente entdecken, um letztlich ihre Individualität zu stärken. So auch der neue Dreamworks-Held Hicks, Sohn des Wikingerhäuptlings einer kleinen Insel im Nirgendwo des hohen Nordens. Alle Erwachsenen sind hier große Drachenkämpfer, denn das Wikingerdorf wird regelmäßig von Ungeheuern verschiedenster Couleur angegriffen. Hicks ist aber leider anders als alle anderen. Schon jetzt als Jugendlicher weiß er, dass seine Kräfte nie die der großen, starken Wikinger erreichen werden, da sind seine Mitschüler in der Drachenkampfschule schon wesentlich kräftiger und mutiger als er. Mit diesen Problemen des Erwachsenwerdens können sich viele Kinder identifizieren, insofern trifft der Film den Nerv der jungen Zuschauer. Und er bedient einen Traum, den viele in verzweifelten Situationen träumen mögen: Durch Zufall wird man plötzlich zum Helden. Hicks verletzt den unheimlichsten und mysteriösesten Drachen, um den sich die wahnwitzigsten Geschichten ranken, den Nachtschatten. Anstatt ihn jedoch zu töten, freundet er sich mit ihm an und lernt so das Wesen der Drachen auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Alles, was die Wikinger bisher über sie wussten, war nur ein Bruchteil der großen Vielfalt, die diese Ungetüme auszeichnet.

Die Botschaft des Films scheint simpel, Hicks hat ganz andere, nämlich wesentlich subtilere Kräfte als die von den Wikingern erwarteten Stärken. Und er benötigt viel Selbstvertrauen, um diese Kräfte anzuwenden und gegen die Dorfgemeinschaft durchzusetzen. Drachen jagen ist zwar gefährlich, aber kämpfen macht diesen Raubeinen selbstverständlich auch Spaß – ein Wikingerklischee, mit dem hier auf vielen Ebenen gespielt wird. Aber es geht eben nicht nur um den zartbesaiteten Hicks, sondern auch darum, andere Kreaturen in ihrer Individualität wahrzunehmen und dadurch zu einem ganz neuen Miteinander zu finden. Oh, Drachen können ja sogar kitzlig sein, und sie lassen sich ganz leicht mit Lichtreflexen ablenken! Wenn man ihnen etwas Leckeres zum Fressen mitbringt, werden sie sogar ganz anhänglich! Und hübsch sind sie, können in den schillerndsten Farben leuchten und so individuell gestaltet sein, wie es Fantasiefiguren zusteht. Das alles nehmen die Wikingerkämpfer aber nicht wahr, da muss ein sensibler, etwas linkischer Jugendlicher ihnen die Augen öffnen. Aber bis dahin ist noch temporeiche Action angesagt – natürlich in 3D, der Technik, ohne die wohl in Zukunft kein Animationsfilm mehr auskommen wird. Und es macht ja auch richtig Spaß, mit Hicks auf seinem Nachtschatten über die dreidimensionalen Landschaften zu sausen – direkt hinein ins sagenumwobene Drachennest!

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