Kritik zu Die Känguru-Chroniken

© X-Verleih

2019
Original-Titel: 
Die Känguru-Chroniken
Filmstart in Deutschland: 
05.03.2020
L: 
93 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Dani Levy hat Marc-Uwe Klings Bestseller um einen Kleinkünstler und ein kommunistisches Känguru verfilmt. Das ist über weite Strecken gut gelungen,  mit nur gelegentlichen Anflügen deutscher Komödienklischees

Bewertung: 4
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»Ein Känguru geht um in Europa.« So beginnt »Das Känguru-Manifest«, der zweite Teil von Marc-Uwe Klings Buchreihe. Ein kleiner Satz, der viel sagt: zum einen über den Stolz, dass es eine literarische Figur schon zu etwas gebracht hat, zum anderen über die Weltanschauung dieser Figur – wenn einem das Kommunistische Manifest von Marx/Engels und sein legendärer erster Satz noch in Erinnerung sind. Denn das Känguru, das eines Tages bei dem Kleinkünstler Marc-Uwe (der diese Bezeichnung gern zu »Künstler« emporhebt) einzieht, ist Kommunist, überzeugter Kommunist. Und wenn man die Dialoge in dieser seltsamen WG mit seltsamen Vorlieben (das Känguru liebt zum Beispiel Schnapspralinen) bedenkt, dann wirken die beiden wie Wiedergänger der siebziger Jahre, linientreu links der eine, ein Anarchist (oder Sponti) der andere. Es macht Hoffnung, dass die drei Teile dieser Chronik zum Bestseller gerade auch bei Jugendlichen wurden, für die das Wort »Vietcong« (da war das Känguru angeblich auch dabei) eher ein Klang aus der Ferne sein dürfte. Vielleicht war ja doch nicht alles vergebens. 

Klings Bücher, die mit Anspielungen, gerade auch auf Filme, gefüllt sind, zu verfilmen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Zumindest die ersten beiden Bücher haben eine eher episodische Struktur, Wortwitz und einen absurden Unterton, schließlich entstanden sie einmal als Bühnensketche eines – Kleinkünstlers. Nun, Marc-Uwe Kling, der selbst das Drehbuch schrieb, und Regisseur Dani Levy haben sich für eine Methode der Konzentration entschieden und sich mit den wichtigen Figuren der Bücher eine konsistente Handlung ausgedacht. Da muss naturgemäß viel auf der Strecke bleiben an Themen, Anspielungen, absurden Dialogen, Parodien oder Kalauern (etwa über Filmpiraterie: »Die Labelchefs/Jetzt sitzen sie hier mit ihren Kippen und flennen, weil alle nur noch rippen und brennen«). 

Aber es gibt ein Wiedersehen mit dem Personal der Bücher, das dort mit Ausnahme von Marc-Uwe (bis zur Ähnlichkeit verkörpert von Dimitrij Schaad) und dem Känguru (von Kling selbst gesprochen) ja sowieso nur vereinzelt vorkommt. Zum Beispiel die beiden türkischstämmigen Brüder Friedrich-Wilhelm und Otto-Von, deren Eltern es etwas übertrieben haben mit dem Integrationswillen und die einen Laden für Billigbier betreiben. In Kreuzberg, dem guten alten Kreuzberg, und neben der Kneipe von Herta (»Es jibt sone und solche, un' dann jibt's noch janz andre, aber det sind die Schlimmsten.«). 

Und das Team hat zwei der besten Episoden in den Film integriert: wie das Känguru, ein großer Schnorrer, sich in Marc-Uwes Wohnung einschleicht. Und wie das Känguru den Hund von Neonazis durch die Luft kickt (»diese Yorkshireterrier fliegen nicht so gut«). Die werden dann auch zum Auslöser der Handlung, in der der Spekulant und Millionär Dwigs den Görlitzer Park bebauen lassen will – und auf dem Weg dahin seine drei Porsches verliert. Aber das ist dann eher deutsche Komödienroutine. 

Meinung zum Thema

Kommentare

Hallo epd-film: Ich hätte eine Kritik im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung gut gefunden statt einer Inhaltsbeschreibung. Plus: "Diese französischen Bulldoggen fliegen nicht so gut", wäre das korrekte Zitat gewesen.

Schade,das Känguruh hätte wohl doch
besser bei Marvel angeklopft,als bei
Xfilm.Nach dem vergleisweise subtilen Train-_
spotting-Zitat mit der Bulldogge gehts bergab
mit uninspirierten Tarantino -und Big Lebowski-
Anleihen.Goodbye Levy!

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