Kritik zu Die göttliche Ordnung

© Alamode Film

2016
Original-Titel: 
Die göttliche Ordnung
Filmstart in Deutschland: 
03.08.2017
L: 
97 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Petra Volpe legt ihren Film über die etwas verspätete Einführung des ­Frauenstimmrechts in der Schweiz des Jahres 1971 als nette, harmlose Komödie an, die mit einem recht moderaten Kampfpathos arbeitet

Bewertung: 2
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Der Brexit hat die Schattenseiten direkt-demokratischer Entscheidungsprozesse noch einmal dramatisch vor Augen geführt. Im plebiszitären Demokratie­modell der Schweiz sind solche Erscheinungen systembedingter Alltag. Zu den größten Unbegreiflichkeiten der eidgenössischen Geschichtsschreibung gehört, dass dort das Frauenwahlrecht durch eine Volksabstimmung erst 1971 eingeführt wurde, nachdem es bereits 1959 von den ausschließlich männlichen Stimmberechtigten abgelehnt worden war. Im Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das Wahlrecht für Frauen auf kantonaler Ebene sogar erst 1990 gegen den mehrheitlichen Willen der männlichen Stimmbürger durchgesetzt.

Petra Volpe (»Traumland«) reist nun in ihrem Film »Die göttliche Ordnung« zurück ins Jahr 1971. Während über die TV-Bildschirme die Bilder von Woodstock, Black Power, sexueller Revolution und Frauenbewegung flimmern, ist von all den gesellschaftlichen Umwälzungen in dem beschaulichen Schweizer Dorf nichts zu spüren. Nora (Marie Neuenberger) lebt hier mit Hans (Max Simonischeck) in klassischer ehelicher Rollenverteilung: Der Schreinereiangestellte bringt das Geld nach Hause, während sich die Frau um Hausarbeit und Kinderbetreuung kümmert. Als Nora sich auf einen Job im Reisebüro in der nahe gelegenen Stadt bewerben will, verweigert Hans sein Einverständnis. Die damalige Gesetzgebung sieht vor, dass der Ehemann seine Zustimmung geben muss, und was sollen denn die Nachbarn denken, wenn die Frau des frisch beförderten Schreinergesellen dazuverdienen geht? In der Stadt gerät Nora an einen Stand der Frauenwahlrechtsaktivistinnen, kehrt mit einer Tasche voller Bücher und Broschüren zurück und beschließt, sich im Dorf für die Kampagne einzusetzen.

Ihre Informationsveranstaltung in der Gaststätte endet zwar im Desaster, aber immerhin tun sich einige Frauen danach zusammen und treten in den Streik. Sie schlagen ihr Lager auf dem Dachboden des Gasthofes auf, während die Männer sich zu Hause mit Spiegeleier-Braten und Kinder­erziehung herumschlagen. Aber nicht nur mit den Männern müssen sich die Frauen anlegen: Die Schreinereibesitzerin Frau Wipf (Therese Affrolter) ist als örtliche Vorsitzende des »Aktionskomitees gegen Verpolitisierung der Frau« ihre schärfste Gegnerin. Der Verweis auf das historische Kuriosum der Antisuffragetten gehört zu den interessantesten Aspekten von Die göttliche Ordnung, weil sich gerade in der offensiven Unterwerfung dieser gebildeten und privilegierten Frau die patriarchale Erstarrung am deutlichsten widerspiegelt. Darüber hinaus hat Volpe ihren Film als eher harmlose Komödie angelegt, die mit einem recht moderaten Kampfpathos arbeitet, in ihrem Handlungsaufbau stets überschaubar bleibt und durch einen Retroschleier hindurch von allen Bitterstoffen befreit zu sein scheint. Da wünscht man sich doch manchmal eine Prise jenes feministischen Sarkasmus herbei, den Sally Potter in The Party gerade so wunderbar zelebriert hat.

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