Kritik zu Die glorreichen Sieben

© Sony Pictures

Die kompetenten Schauspieler, allen voran Denzel Washington, können sich nicht entfalten in Antoine Fuquas Remake des Genreklassikers von John Sturges. Woran das liegt? Zu wenig Dialog. In alten Western wird mehr geredet als man denkt

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Das Wort »Remake« hat normalerweise einen schalen Beigeschmack. Für den Western, der sich glücklicherweise immer mal wieder zu Wort meldet, auch in Zeiten, in denen er für tot erklärt wird, trifft das aber nur bedingt zu. Er lebt von den Standardsituationen, von einem doch begrenzten Personal, von einer mitunter vorgegebenen Dramaturgie. Wie oft ist etwa der Shoot-out am O. K. Corral verfilmt worden? »Das Inszenieren eines Western ist für jeden Regisseur eine Art Doktorarbeit«, hat Sergio Leone, der vielleicht größte postklassische Westerninnovator, geschrieben.

Der Westernklassiker »Die glorreichen Sieben« aus dem Jahr 1960 war selbst ein Remake des japanischen Films »Die sieben Samurai« von Akira Kurosawa, und Regisseur John Sturges hat gerne erzählt, wo er Kurosawa gefolgt ist. Zum Beispiel in der Exposition. Und die sieht auch bei Antoine Fuqua beruhigend ähnlich aus. Das Städtchen ­Rose Creek wird terrorisiert von Bartholomew Bogue, hier kein Bandit wie bei Sturges und Kurosawa, sondern – ein Geschäftsmann mit einer Privatarmee. Er will den Siedlern ihr Land zu einem lächerlichen Preis abkaufen, weil er es für seine Mine braucht, und um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, zündet er die Kirche an. Die Anleihen dieser von Peter Sarsgaard eher somnambul verkörperten Figur bei »There Will Be Blood« dürften beabsichtigt sein: die Ursprünge des amerikanischen Kapitalismus aus dem Geist des organisierten Verbrechens.

Emma Cullen (Haley Bennett), die Ehefrau eines Ermordeten, zieht los, um einige Revolverhelden zu engagieren. Sie ist quasi die Nummer acht der glorreichen Sieben. Als er den Namen Bogue hört, stellt der Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel ­Washington) ziemlich schnell ein Team von Reitern zusammen, die manchmal aus dem Nichts kommen wie der Komantsche Red Harvest (Martin Sensmeier). Natürlich sind die Sieben heute multiethnisch aufgestellt, mit einem Schwarzen, dem Indianer, einem Iren (Chris Pratt), einem Mexikaner (Manuel Garcia-Rulfo), einem Chinesen (Byung-hun Lee), einem Indianer hassenden Trapper (Vincent D'Onofrio) und einem traumatisierten Redneck (Ethan Hawke). Die Phase der Requirierung handelt Fuqua schneller ab als Sturges, wie überhaupt das Drehbuch den Sieben kaum Zeit zur Entwicklung gibt –  an den durchweg guten Schauspielern liegt es nicht.

Die haben keine Zeit für Charisma und Charme oder gar Witz. In alten Western wird erstaunlich viel geredet – das hat keiner so begriffen wie Quentin Tarantino. Aber gerade die Remakes der letzten Jahre kommen meist bierernst daher; gegen den neuen »The Alamo« ist John Waynes Version eine Screwball-Comedy. Und so enden auch »Die glorreichen Sieben« in einer Schlacht, die die Standardsituationen des Genres, die Fensterstürze und den finalen Shoot-out, aus­kostet. Das ist furios inszeniert, bleibt aber ein dumpfes Gemetzel.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns