Kritik zu Crimson Peak

© Universal Pictures

Eine angehende Schriftstellerin verfällt im New York des Jahres 1901 einem britischen Adligen und folgt ihm in die Heimat. Sein Landsitz birgt eine böse Schwester und so manche Geheimnisse

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Das Haus lebt, kein Zweifel. Tritt man auf die knarzend nachgebenden Fußbodendielen, so klingt es wie ein Klagelaut, von der roten Flüssigkeit, die unter manchen der Dielen hervorquillt, ganz zu schweigen. Allerdale Hall, so der Name des Landsitzes im England zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, hat offenbar eine düstere Vergangenheit. Welch eine Ironie, dass die neue Hausherrin ausgerechnet eine angehende Verfasserin von Gruselgeschichten ist. Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist in New York dem Charme des englischen Adligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verfallen und ihm – nach dem Unfalltod ihres Vaters – als Ehefrau in seine Heimat gefolgt. Gegen die Ausstrahlung des dunkelhaarigen Erfinders und versierten Walzertänzers hatte ihr Jugendfreund, der blonde Arzt Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam), keine Chance.

Aber ist Edith überhaupt die neue Herrin auf Allerdale Hall? Thomas' Schwester Lucille (Jessica Chastain) scheint diesen Titel eher für sich selber zu beanspruchen. Jedenfalls verweigert sie ihrer Schwägerin erst einmal die Schlüssel – natürlich nur wegen der unsicheren Teile des baufälligen Gemäuers, behauptet sie. Dass Edith hier Geister sieht, verwundert nicht, hat sie doch schon als kleines Mädchen den Geist ihrer Mutter nach deren Tod gesehen. Wie aber die Geister mit der Geschichte von Allerdale Hall ­zusammenhängen, was die verstorbene Mutter der Sharpe-Geschwister damit zu tun hat, ob Lucilles Eifersucht auf die neue Frau in diesem Haus nicht jenseits des Erklärbaren liegt und ob ihr eigener Ehemann nicht auch etwas zu verbergen hat, das wird Edith erst in einem langsamen, schmerzhaften Prozess herausfinden.

Eine Geistergeschichte, gewiss, aber auch ein romantisches Drama, das in der Kon­stellation von Personen und Ort drei Hitchcock-Klassiker der vierziger Jahre heraufbeschwört, »Rebecca«, dessen Schauplatz Manderley ebenso Geheimnis umwoben war, sowie »Verdacht« und »Berüchtigt«, in denen Zweifel an den Ehepartnern gesät wurden. Kein Zufall, denn Regisseur Guillermo del Toro hat während seiner Jugendjahre als Kritiker auch einmal ein Werk über Alfred Hitchcock verfasst. Im Gegensatz zu den genannten drei Filmen ist seiner allerdings in Farbe gedreht. Das strahlende Gelb von Ediths Kleid leuchtet, während das Violett von Lucilles eher Düsteres verheißt. Die dominierende Farbe aber ist Rot, nicht nur das Rot des Gesteins unter dem Haus, aus dem Ziegel gebrannt werden...

Mit seinen spanischen Filmen »Das Rückgrat des Teufels« und »Pans Labyrinth« teilt del Toros »Crimson Peak« die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit. Diesmal gibt die Verortung im Zeitalter der Industrialisierung der Geschichte einen zusätzlichen Resonanzboden, von dem aus sich das Fantastische umso besser entfalten kann. Dass der Film darüber hinaus mit seiner Besetzung, allen voran Tom Hiddleston, und dem Verzicht auf ironische Brechungen auch als großes Drama funktioniert, macht ihn schon fast zu einer Ausnahmeerscheinung im gegenwärtigen Kino.

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