Kritik zu Company Men

© Senator

2010
Original-Titel: 
The Company Men
Filmstart in Deutschland: 
07.07.2011
L: 
104 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Wenn Männer arbeitslos werden, haben sie es schwer, ihre Frauen aber auch. John Wells versteht seinen prominent besetzten Film als Beitrag über die Folgen der Finanzkrise von 2008

Bewertung: 3
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Bob Walker (Ben Affleck), der smarte Sales- Manager eines Bostoner Logistikunternehmens, düst morgens mit dem Porsche ins Büro. In der Runde, die besorgt die Personalchefin erwartet, flaxt er noch entspannt, doch dann trifft es auch ihn: die Kündigung. An diesem Tag verdrücken sich viele Kollegen mit einem Karton voll persönlicher Sachen vom Firmengelände.

The Company Men, das Kinodebüt des Fernsehproduzenten John Wells, reagiert auf die Immobilien- und Finanzkrise im Herbst 2008. Hektische Fernsehnachrichten im Vorspann erinnern an die Schockwelle der damaligen Bankenpleiten, die durch Geschäfte mit faulen Immobilienkrediten ausgelöst wurden. Doch das Drehbuch interessiert sich mehr für die private Seite des Desasters als für komplexe ökonomische Zusammenhänge. Einem Serienkonzept nicht unähnlich erzählt Wells in The Company Men parallele Geschichten. Hier geht es um drei geschasste Leistungsträger: Ben Affleck und Tommy Lee Jones stehen als Stehaufmänner für ein Happy End ein, während Chris Cooper mit seiner Charakterstudie eines resignierenden Losers berührt. Ihre Frauen und Kinder bleiben dabei wie alle Nebenfiguren blasse Stichwortgeber, in der Hauptsache geht es darum, wie Männer damit umgehen, wenn sie zugunsten der Börsenrendite ausgespuckt werden.

Selbstvertrauen und Familienbindungen sind die verlässlichsten Stützen für einen Neustart, lautet die gute alte amerikanische Botschaft des Regisseurs. Bob besitzt, was diesen idealtypischen konservativen Lebensentwurf ausmacht: eine patente Frau (Rosemarie DeWitt), die die Rolle der sparsamen Haushaltsmanagerin übernimmt, selbst einen Job findet und den geknickten Mann bei Laune hält. Braucht Bob anfangs noch den Golfclub, um »erfolgreich auszusehen«, ist er bald den Porsche und das Eigenheim los und mit den Seinen unterm Dach der Schwiegereltern einquartiert. Die Jobsuche entwickelt sich zum surrealen Spießrutenlauf, bis Schwager Jack (Kevin Costner), ein lässiger Workingclass- Hero, dem eingebildeten Betriebswirt Arbeit auf dem Bau gibt, ihn beim Schleppen von Sperrholzplatten schwitzen lässt und nebenbei sinnfällig die Leichtbauweise pseudoklassischer Vorortvillen vor Augen führt.

Bobs älterer Kollege Phil (Chris Cooper), findet solchen Halt nicht. Damit die Nachbarn nichts bemerken, kehrt er erst spät von der Jobsuche heim, die Depression seiner Frau lähmt ihn, die Schulden wachsen ihm über den Kopf. Bobs und Phils Vorgesetzter Gene (Tommy Lee Jones), auch er von Sally (Maria Bello) gekündigt, die gleichzeitig seine Geliebte ist, wird mit einer großen Abfindung hinauskomplimentiert. Er nutzt die Entlassung zunächst als Gelegenheit zum privaten Neuanfang: Die Prachtvilla überlässt er seiner Ehefrau und zieht bei Sally ein, was nicht wirklich hilft. Offen kritisiert er den Konzernchef, der Mitarbeiter entlässt, statt auf sein neues Luxusbürohaus zu verzichten. Image statt Ethos, virtuelle Geschäfte anstelle ihrer gemeinsamen Wurzeln im Bostoner Schiffsbau – Genes trockene Resümees über den Niedergang der Ostküstenindustrie sind ein Plädoyer fürs pragmatische Anpacken. Also werden Büros gegründet, Freunde eingestellt, denn Selfmademen lassen sich nicht unterkriegen.

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