Kritik zu Into The Beat – Dein Herz tanzt

© Wild Bunch

Katya gibt die Strenge des Spitzentanzes auf zugunsten expressiven Ausbrechens: Ein deutscher Breakdancefilm, entstanden mit Unterstützung durch die Initiative »Der besondere Kinderfilm«

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Ballett oder Hip-Hop, Familientradition oder »sich freifliegen«, das sind die essenziellen Fragen, denen sich Katya stellen muss. Eigentlich sollte die begabte Ballerina an einem Wettbewerb für ein Stipendium in New York teilnehmen, ihr Sieg war quasi schon gesetzt, da sie den berühmten Tänzer Orlow zum Vater hat und auch ihre verstorbene Mutter als Tänzerin brillierte. Die Jugendliche sieht sich Ansprüchen ausgesetzt, die sie bisher nie hinterfragt hat. Für ihren kleinen Bruder ist sie Mutterersatz, für den Vater führt sie die Linie der erfolgreichen Tanzdynastie fort.

Der Film setzt zwei Welten gegeneinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Denn als Katya durch Zufall in eine Breakdance-Community gerät, offenbart sich ihr ein völlig neues Universum, das sie bis dahin nicht kannte. Sie taucht ein in diese wogende, sich rhythmisch und expressiv bewegende Masse und weiß im Inneren ihres Herzens von Anfang an, dass sie diesem Move nicht mehr entkommen wird, und das vermag Regisseur Stefan Westerwelle mit großartiger Performance der Streetdancer zu vermitteln. Keine Frage – die knarzenden dunklen Dielen der Ballettschule würde jeder sofort gegen das reale Pflaster der Hip-Hopper tauschen. Doch Katya wird dafür hart kämpfen müssen. 

Ihre Begeisterung fürs Tanzen lässt Katya ganz intuitiv bei einem ersten Breakdance-Unterricht mitmachen. Als sie den gleichaltrigen Marlon kennenlernt, bringt er ihr den emotionalen Kern dieses Ausdruckstanzes bei, und spätestens jetzt ist es um sie geschehen – tänzerisch wie emotional. 

»Into the Beat« ist nicht ausschließlich ein Tanzfilm, denn er beleuchtet in klassischer Coming-of-Age-Manier den Konflikt, den Katya lösen muss. Aber die Tanzszenen nehmen einen großen Raum ein und das macht die Geschichte zu einem außergewöhnlichen Film, wie man ihn zumindest hierzulande selten für Jugendliche zu sehen bekommt. Für die Choreographie zeichnet die Flying Steps Academy verantwortlich, die in der Streetdanceszene der Maßstab sind und in Deutschland unerreicht. Alle Tanzszenen werden von Flying-Steps-Mitgliedern dargestellt. Das macht die Urban-Street-Dancer um Katya und Marlon herum so authentisch und wirklich cool. Dazu lässt die extra für den Film komponierte Musik eine einzigartige Sogwirkung entstehen, der man sich nicht entziehen kann. 

In der Diversität seiner Figuren ist der Film gerade jetzt ein Beitrag für mehr Miteinander, die Breakdancer sind eine große Familie, die sich untereinander akzeptieren und unterstützen, ganz im Gegensatz zur von Konkurrenzdenken geprägten Ballettschule. Entstanden ist die Story im Rahmen der Initiative »Der besondere Kinderfilm«, die nur Stoffe fördert, die keine kommerzielle Vorlage haben. »Into the Beat« ist innerhalb der bisher entstandenen Produktionen erfrischend populär gemacht und im Genre Tanzfilm eher ungewöhnlich, das Publikum ist jedenfalls schon bereit zum Breakdance.

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