Kritik zu Amsterdam

© 20th Century Studios

In den zehner Jahren hatte David O. Russell einen höchst erfolgreichen Lauf mit Filmen wie »The Fighter«, »Silver Linings« oder »American Hustle«. Da kann »Amsterdam« leider nicht mithalten: Die prominent besetzte Krimikomödie wirkt überanstrengt

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Ein versehrter Kriegsveteran mit Glasauge, der sich als Arzt im New York des Jahres 1933 vor allem um die Bedürftigsten kümmert. Ein wackerer, begabter Anwalt, der aufgrund seiner Hautfarbe mit Diskriminierung zu kämpfen hat. Und eine exzentrische Künstlerin, die in Europa ihrer Familie ebenso zu entkommen versuchte wie ihren mentalen Problemen. Wer meint, dass womöglich schon in diese drei Protagonist*innen ein paar Ideen zu viel geflossen sind, sollte gewarnt sein. Denn David O. Russell (»Silver Linings«, »American Hustle«, »Joy«) fährt in »Amsterdam« noch einiges mehr auf.

Der Arzt Burt Berendsen (Christian ­Bale), der Anwalt Harold Woodsman (John David Washington) und die auch als Krankenschwester tätige Valerie Voze (Margot ­Robbie) lernen sich in den Wirren des Ersten Weltkriegs in Frankreich kennen und werden während einer utopisch-unbeschwerten Zeit in Amsterdam zu einem eingeschworenen Trio (Harold und Valerie auch zu einem Paar), das vorübergehend unzertrennlich ist. 15 Jahre später in New York sind zumindest Burt und Harold noch eng befreundet und werden damit beauftragt, den Tod eines Senators zu untersuchen, dessen Tochter Mord wittert. Schnell wird klar, dass es sich nicht um einen Job wie jeden anderen handelt: Bald werden die beiden selbst von Killern verfolgt, von Polizisten verdächtigt und vor allem tief in eine große Verschwörung hineingezogen, in die auch Geheimdienste, ein Kriegsheld und potenzieller Präsidentschaftsanwärter (Robert de Niro) und ein reicher Textilerbe (Rami Malek) samt Gattin (Anya Taylor-Joy) verwickelt sind. Ganz zu schweigen davon, dass es auch zu einem unverhofften Wiedersehen mit Valerie kommt.

Sehr viel Plot, sehr viel Personal und jede Menge Ideen, so könnte man »Amsterdam« vielleicht knapp zusammenfassen. Oder sollte man sagen: zu viel von allem? Mit großem Tempo, aber wenig stimmigem Timing jagt Russell durch seine 134 Minuten lange und obendrein von wahren Begebenheiten in­spirierte Geschichte, die so viele Wendungen nimmt und so viele Figuren umfasst, dass sie schnell ausufernd und erschöpfend wirkt. Dass das Ensemble geradezu ­überquillt von tollen Schauspieler*innen – auch Andrea Riseborough, Zoë Saldaña, Mike Myers, Matthias Schoenaerts, Chris Rock, ­Timothy Olyphant, Michael Shannon und sogar Taylor Swift sind mit von der Partie – ist dabei beachtlich, aber auch nicht ganz unproblematisch. Denn nicht zuletzt die Prominenz des Casts führt immer wieder vor Augen, wie wenig alle Beteiligten aus ihren überfrachteten Figuren letztlich machen dürfen.

Größtes Hindernis für das Gelingen von Russells erstem Film seit sieben Jahren ist aber die Tatsache, dass sich die einzelnen Bestandteile (von denen manche durchaus originell oder – Ausstattung und Kostüme – prächtig sind) nie zu einem überzeugenden Ganzen zusammensetzen. Und dass »Amsterdam« als von unerwartetem Optimismus durchsetzte Krimikomödie weder besonders lustig noch sonderlich spannend ist, ist natürlich auch irgendwie schwierig.

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