Apple TV+: »Finch«

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2021
Original-Titel: 
Finch
Heimkinostart: 
05.11.2021
L: 
115 Min
FSK: 
Ohne Angabe
Ein Mensch, ein Hund, ein Roboter

Bloß keiner Menschenseele begegnen! Dieses Mantra durchzieht »Finch« bis fast zum Ende. Kein Alien, sondern Homo sapiens stellt in der postapokalyptischen Wüstenei die größte Gefahr dar. In dem in naher Zukunft angesiedelten Endzeitdrama sind andere Überlebende potenzielle Raubtiere. Sie sind der Grund dafür, dass Finch (Tom Hanks) mit seinem zur Festung ausgebauten Camper lieber Temperaturen von 65 Grad in Kauf nimmt, als nachts zu fahren, aus Angst vor Überfällen. Doch es ist nicht die Klimaerwärmung, sondern eine Sonneneruption, die dafür gesorgt hat, dass die Erde zum lebensfeindlichen Ort wurde. Bisher hat sich Finch im Gebäude der Firma in St. Louis, in der er einst als Computeringenieur arbeitete, verschanzt. Ein Megasturm zwingt ihn jedoch zur Flucht in Richtung San Francisco.

Es ist schon gewagt, wie Regisseur Miguel Sapochnik, der als »Game of Thrones«-Serienregisseur bekannt wurde, ein »Mad Max«-Szenario antäuscht, um dann dem Publikum ein Kammerspiel unterzujubeln. Doch die melancholischen Panoramen verödeter Städte und Finchs mit einer gewissen Prepper-Romantik ausgestattete Behausungen verstören in Corona-Zeiten mehr als vermutlich beabsichtigt.

Neben Finch kommen Menschen nur in Fotos, Spuren und Hinterlassenschaften vor. Instinktiv formiert er jedoch eine neue Familie. Zunächst ist der Hund Goodyear sein einziger Gefährte. Doch Finch ist todkrank und bastelt deshalb einen sprechenden Roboter, der sich in Zukunft um Goodyear kümmern soll. Und so wandelt sich das Roadmovie zur Vater-Sohn-Lektion. Jeff, wie sich der Roboter selbst tauft, reift in seiner Mimesis von Finchs Verhalten und durch die Abenteuer unterwegs im Schnelldurchlauf zum jungen Erwachsenen. Der kauzige Finch wiederum gewinnt durch Jeffs Fragen an Selbsterkenntnis.

Diese Mensch-Ding-Beziehung gemahnt natürlich an andere Filme, angefangen von »Wall·E« bis hin zum Survival-Drama »Cast Away«, in dem Hanks als Schiff brüchiger einen Volleyball als Kumpel adoptierte.

Das Robotergeschöpf ist aber erheblich anschlussfähiger als etwa der Kinderautomat in Steven Spielbergs Sci-Fi-Drama »AI«, der, zur emotionalen Bedürfnisbefriedigung einer Mutter geschaffen, unentrinnbar auf deren Liebe programmiert ist. Jeff wird dagegen darauf vorbereitet, seinen »Vater« in Zukunft zu ersetzen und sein Projekt – den Schutz des Hundes, dessen Schicksal wiederum zu Menschen überleitet – weiterzuführen.

Tom Hanks, einmal mehr großartig, umschifft mit seiner Schauspielkunst alle Kitschklippen. Der Blechkamerad aber überzeugt weniger durch den feuchten Glanz, den seine Kameraobjektiv-Augen in rührenden Situationen bekommen. Grandios ist vielmehr, wie es Caleb Landry Jones via Motion Capture gelingt, seinem Avatar pantomimisch eine derartige Bandbreite an Gefühlen und Stimmungen zu verleihen, dass er sogar Hanks die Show stiehlt.

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