Ausstellung: Maximilian Schell im DFF

Maximilian Schell dreht »Der Fußgänger« (1973)

Maximilian Schell dreht »Der Fußgänger« (1973)

Er war Peter der Große und Simon Bolivar, Lenin und Einstein, er war Shakespeares Hamlet und Kafkas Landvermesser K. Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) hat dem Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell nun eine Ausstellung gewidmet

Die Rollen, in die Maximilian Schell in seinem langen Schauspielerleben schlüpfte, sind ungezählt. Für die berühmteste, die Rolle des Anwalts Hans Rolfe, der in Stanley Kramers hochkarätig besetztem Film »The Judgement at Nuremberg« (1961) einen Naziverbrecher vertritt, wurde er mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Dabei war die Schauspielerei nur eine der vielen Künste, denen sich das 1930 in Wien geborene Multitalent widmete. Schell war Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, er zeichnete, schrieb Erzählungen, sammelte Gegenwartskunst, inszenierte Opern und Theaterstücke. Leonard Bernstein soll seine pianistischen Fähigkeiten als »semiprofessionell« bezeichnet ­haben.

Das DFF in Frankfurt am Main, das schon den Nachlass von Maria Schell verwaltet, erwarb im Jahr 2016 auch den ihres 2014 verstorbenen Bruders Maximilian. Auszüge sind dort nun, kuratiert von Isabelle Bastian und Hans-Peter Reichmann, in einer großen Ausstellung zu sehen. Sie dokumentiert die künstlerische Komplexität eines Mannes, der oft als einer der letzten Weltstars des deutschsprachigen Kinos bezeichnet wird.

In acht Abteilungen, auf mehr als 20 digitalen Leinwänden, anhand von Fotos, Briefen, Drehbüchern, Audio-/Videodokumenten und anderen Objekten, darunter die Oscar-Statue, dokumentiert die Ausstellung einen künstlerischen Lebensweg, der von der Alm im österreichischen Preitenegg über Hollywood zurück auf die Alm führt. »Die Alm ist mein Anfang und mein Ende«, sagte Schell, der hier auch den Film »Meine Schwester Maria« (2001/2002) über die an Demenz erkrankte Maria Schell drehte.

Einen eigenen Raum nimmt Schells wohl schwierigstes Projekt ein, der Dokumentarfilm »Marlene« aus dem Jahr 1984. Schwierig deshalb, weil Marlene Dietrich buchstäblich nicht mitspielte, alle Bilder, selbst die ihres Wohnzimmers, verweigerte und nur Tonaufnahmen zuließ. Auszüge aus dem teilweise grotesken Gespräch sind in der mit weißen Tüchern abgegrenzten Installation zu hören, darunter auch Marlenes berühmter Satz, sie sei »zu Tode fotografiert worden«. Schell ergänzte diese Audioaufnahmen für seinen Film mit Bildern des nachgebauten Wohnzimmers und anderen Filmsequenzen. Erst als der Film eine Oscarnominierung bekam, erhielt er auch den Segen der Dietrich. Elisabeth Bronfen und Werner Sudendorf gehen diesem legendären Unternehmen in ihren Katalogbeiträgen ausführlich nach.

Und auch der Glamourfaktor kommt in der Ausstellung nicht zu kurz. Auf einer großen Wand finden sich Klatsch und Tratsch aus der internationalen Boulevardpresse, der der Schell-Clan über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Futter lieferte.

Der reich bebilderte Katalog befasst sich schwerpunktmäßig mit einer neuen Sichtung wichtiger Filmarbeiten, wirft aber auch Schlaglichter auf andere Aspekte von Leben und Werk. Patrick Seyboth nimmt sich des umstrittenen britischen Thrillers »Return from the Ashes« (J. Lee Thompson, 1965) an: ein Spiel mit Identitäten einer KZ-Überlebenden, in dem Seyboth Schell in einer seiner »finstersten und zugleich facettenreichsten Rollen« sieht. Von der Kritik überwiegend negativ bewertet wurde »Der Fußgänger«, ein Film über die Verstrickungen eines ­Industriellen namens Giese in ein Massaker der Wehrmacht in Griechenland, den Schell als Regisseur 1973 realisierte. Norbert Grob hebt den experimentellen Charakter des Films hervor. Doch habe sich Schells Hoffnung, dass der Film »Wendepunkt zu einer neuen, veristischen Ästhetik« (Grob) im deutschen Film werden könne, nicht erfüllt. Längst hatten die Protagonisten des Neuen Deutschen Films wie Kluge, Reitz, Fassbinder und andere die Szene betreten, an die Schell keinen Anschluss fand.

Warum Menschen Dinge ins Museum bringen, fragt der Enkel in Der Fußgänger den Industriellen Giese am Ende. »Um nicht zu vergessen«, antwortet der Großvater. Dass das Werk von Maximilian Schell in Frankfurt nun museal geworden ist, könnte helfen, auch seine Filme wieder ins Gedächtnis ­zurückzuholen. Im Kino des Filmmuseums sind einige von ihnen in den nächsten Monaten zu sehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19.4.

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