Wie machen Sie das, Herr Graf?

Regisseure, Kritiker und Filmwissenschaftler über das Gesamtwerk von Dominik Graf
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Er kann Genre. Er ist stets auf der Suche nach eigenen Blickwinkeln. Er hat mit Die Katze einen der besten deutschen Thriller gedreht, im Felsen früh mit digitalem Film experimentiert und gezeigt, was im Fernsehen alles geht, zuletzt mit der Serie Im Angesicht des Verbrechens. Und obwohl Dominik Graf selten für die große Leinwand arbeitet, ist er einer der wichtigsten deutschen Auteurs. Grafs verspielt-intellektuelle Romanze Die geliebten Schwestern startet am 31. Juli in einer Kinoversion. Wir haben Kritiker, Filmwissenschaftler und Regisseure eingeladen, das weitläufige Werk des Filmemachers zu beschreiben. Auf der Suche nach dem Graf-Touch

 



Der Einstieg
Michael Omasta über die schrägen Anfangssequenzen bei Graf

© ARD
Der Titel wird größer: Im Angesicht des Verbrechens, alle folgenden Nennungen, die Nachnamen der Schauspieler, des Drehbuchautors und des Regisseurs, kleiner: Riemelt, Bäumer, Maticevic, Zehrfeld, Levshin, Nesytowa, Basedow, Graf. 12 Sekunden, der kürzeste Vorspann, den eine Fernsehserie je hatte. Mit gegenstrebigen Bewegungen, wie die knappen Schriftzüge sie hier vollführen, eröffnet Dominik Graf ganz oft seine Filme.
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Verbrechen
Georg Seeßlen über Polizisten, Mafiosi,Staatsverschwörungen und Götz George

Der Fahnder (1984-2005)
Jedes Land, jede Kinematografie hat ein anderes Verhältnis zur Polizei, zum Verbrechen und seiner Aufklärung. Was die entsprechenden Genres anbelangt, Polizei- und Gangsterfilm, Thriller und Whodunit, gibt es in Deutschland eine drastische Lücke. Nicht nur, was die Jahre des Faschismus, sondern auch was die Zeit danach anbelangt, die Zeit der Restauration in der BRD und des Plenum-Kinos der DDR, in der es gewöhnliche Verbrechen eigentlich gar nicht geben durfte. Was damals entstand, waren das biedere Derrick-Format und der redliche Tatort im Fernsehen, außerdem Versuche im Kino, die Muster italienischer, französischer oder amerikanischer Genremodelle auf deutsche Verhältnisse zu übertragen.
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Bildmanöver
Karl Prümm über die Kamera bei Graf und sein »Kino der Intensitäten«

© ARD
Dominik Graf ist ohne Zweifel der leidenschaftlichste Bildersucher des deutschen Gegenwartskinos. Beständig forscht er nach neuen visuellen Ausdrucksmöglichkeiten für seine radikalen und unbedingten Filme, die ihre Figuren immer wieder in einen Ausnahmezustand der Gefühle treiben und die hochkomplex erzählt werden. Den Bildern verlangt er ab, dass sie in jedem Moment die Geschichten vitalisieren und energisch vorantreiben. Bei der Suche lernt er eingestandenermaßen vom Bilddenken und der Bilderfahrung seiner Kameraleute. Einzigartig sollen die Bilder sein, eine unwiederholbare Konfiguration von Körper, Raum und Dingwelt darstellen. Die Form umschließt und vollendet Dominik Grafs Kino der Intensitäten, die Kameraarbeit  ist daher für ihn zentral. Nichts verabscheut er mehr als die glatten, routinierten, auf Effekt getrimmten Bilder. Die Grundimpulse aller Avantgarde- und Reformbewegungen der Filmgeschichte sind ihm  selbstverständliche Maxime, den Autorenfilm lehnt er aber entschieden ab, weil er eine Geschlossenheit des »Werks« und eine écriture, also die Wiederkehr fixer Ausdruckselemente, voraussetzt.
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Fernsehen
von Diemut Roether

© ARD
Er sei ein Fernsehkind, hat Dominik Graf einmal bekannt. Seit seine Eltern 1958 einen Fernseher kauften, den der damals Sechsjährige aber nie allein einschalten durfte, liebt er dieses Medium – auch und vor allem wegen des Ruchs des Verbotenen, das es umgab. Am Fernsehen liebt er das »Schmutzige«, die Genrefilme, kleine Szenen in ­Gebrauchsserien wie dem Alten, die »mehr im Verborgenen wachsende Schönheit des deutschen Fernsehfilms«, während ihm das sogenannte Qualitätsfernsehen stets suspekt blieb. Ganz besonders verachtet Graf die »absolut grauenerregenden Themenfilme«, die versuchen, dem Zuschauer wichtige Themen näherzubringen und zu denen es zuverlässig im Anschluss eine Diskussion mit Anne Will gibt.
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Melodram
Nobert Grob über Schmerz, Tränen, Intrigen und Scheitern

Spieler(1990)
Seit in Filmen Geschichten erzählt werden, gibt es das Melodramatische: den Aufruhr der Gefühle, den Kuddelmuddel aus Obsessionen und fixen Ideen. Wo die Lust auf das ganz Andere und die Sehnsucht nach dem Endgültigen geprägt sind durch den Traum vom großen Glück. Aber dann kommt etwas Unvorhersehbares dazwischen, und alles zerbricht für immer. Wobei die kleinen Irrungen und Wirrungen um Liebe und Liebelei stets zugespitzt sind, als ginge es um die letzten Fragen der Menschheit.
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Shot by Shot
Christian Petzold und Christoph Hochhäusler analysieren eine Szene aus »Polizeiruf 110«

Petzold und Hochhäusler über den Stills des Graf-Films
Die Regisseure Christian Petzold ("Barbara") und Christoph Hochhäusler ("Unter dir die Stadt") kommentieren eine Szene der Polizeiruf 110-Folge »Er sollte tot...«
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