Wovon träumt ein Ginkgo-Baum?– epd film Newsletter 15.01.2026

Wovon träumt ein Ginkgo-Baum?

Es gibt eigentlich so gut wie keine Filme, bei denen man das Gefühl hat, noch nie etwas Vergleichbares gesehen zu haben. »Silent Friend« von Ildikó Enyedi kommt aber zumindest in die Richtung. Sinnlich, einfallsreich und klug erkundet Enyedi Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen. Ein Ginkgo-Baum im Botanischen Garten in Marburg wird dabei zum Protagonisten, um den herum sich Geschichten aus einem ganzen Jahrhundert eröffnen. Thomas Abeltshauser hat während der Filmfestspiele in Venedig mit Enyedi gesprochen und analysiert in seinem Porträt »Ildikó Enyedi: Auf der Suche nach dem radikal fremden Bild« ihr Werk.

Im Streamingbereich ist diese Woche ein neuer Anbieter auf den Markt gekommen. HBO Max vereint bekannte Marken wie »Game of Thrones« ebenso wie neue Serien. Patrick Heidmann hat sich zum Start die Serie »All Her Fault« mit Sarah Snook und Dakota Fanning angesehen.

Außerdem ein Buch-Tipp: »Hans Schifferle: Berufung Kritiker« ist ein Porträt des leidenschaftlichen Filmkritikers Hans Schifferle. Frank Arnold gibt einen Einblick.

In ihrem Berlinale-Gewinner »Körper und Seele« begegneten zwei Menschen einander in Tiergestalt.

Buch und Buchvorstellung: Hans Schifferle

Das Porträt des leidenschaftlichen Filmkritikers Hans Schifferle und seines Werks. Buchvorstellung von Rolf Aurich und Ulrich Mannes am 5.3. um 19 Uhr im Münchner Filmmuseum.

HBO Max: »All Her Fault«

Der in Deutschland startende Streamingdienst HBO Max eröffnet sein Programm mit dieser Thrillerserie um die Eltern eines verschwundenen Kinds.
Filme der Woche: 

Silent Friend

In drei Epochen tragen sich auf dem Campus der Philipps-Universität Marburg drei stille, heitere Abenteuer der Entdeckung zu. Sie alle kreisen um einen stattlichen Ginkgobaum, dem zuzuhören sich lohnt. Ildikó Enyedi inszeniert ihren Film als eine Sinfonie der Sinneswahrnehmungen – aufgeweckt, verblüffend und empfänglich für die leiseste Seelenregung. Nebenbei ist ihr ein Lockdown-Film gelungen, auf den man schon nicht mehr zu hoffen wagte.

Madame Kika

Ganz wahrhaftig, klischeefrei, ohne voyeuristische Schlüpfrigkeit und immer wieder auch komisch erzählt Alexe Poukine von einer jungen Sozialarbeiterin, die nach dem Tod ihres Partners auf keinen Fall zum Sozialfall werden will und darum in die Welt der Sexarbeiterinnen eintaucht.

The Housemaid – Wenn sie wüsste

Nicht ganz ernstzunehmende Bestsellerverfilmung um eine Haushaltshilfe, die mit dem gutsituierten Paar, bei dem sie unterkommt, so manch unerquickliche Überraschung erlebt. Alle lügen wie gedruckt und machen einander etwas vor. Die Handlung schlägt die dazu passenden Haken – und am Ende war alles ganz anders. Dabei geht es drastisch und überspitzt gegen konsumistische Propaganda und überkommene Geschlechterrollen.

Mother's Baby

Intensiver und elegant inszenierter Horrortrip um Mutterschaft der Österreicherin Johanna Moder mit einer herausragenden Marie Leuenberger als verzweifelte junge Mutter und erfolgreiche Dirigentin, die um das Vertrauen in sich selbst kämpft.

Smalltown Girl

In Ausstattung, Kostüm und Bildsprache innovatives Spielfilmdebüt mit zwei guten Protagonistinnen, das sich nicht zwischen einem Plädoyer für selbstbestimmte weibliche Sexualität und Traumabewältigung entscheidet und gerade dadurch am Ende unausgegoren wirkt.