Kritik zu The Housemaid – Wenn sie wüsste

© Leonine Distribution

Amanda Seyfried und Sydney Sweeney präsentieren in der Bestsellerverfilmung ein überzeichnetes Spiel um Macht, Intrigen und Geheimnisse

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Familie Winchester lebt das Klischee: McMansion auf Long Island, New York, SUV für die blondierte Dame des Hauses, schnittiger Flitzer für den modebewussten Herrn, Ballettstunden für die untalentierte Tochter; Medienzimmer im Untergeschoss, Riesenkühlschrank, Riesenkleiderschrank, Riesenmenge an Zeug, Gärtner. Das gute Leben mit allem Pipapo. Jedenfalls nach außen. Aber um die Außenwirkung geht es mittlerweile ja allerorten und jederzeit. Deswegen muss nun auch eine Haushaltshilfe her, die Mrs. Winchester zur Hand geht, denn die behauptet, schwanger zu sein, und kann nicht mehr so, wie ihr Angetrauter das gewohnt ist. Mr. Winchester hat es nämlich gern ordentlich. Um nicht zu sagen: akkurat penibelst aufgeräumt, quasi keimfrei. Denn mit irgendetwas muss die Trophy Wife ja beschäftigt werden. Und wenn es nur das Nachfärben des Haaransatzes der Langhaarmähne ist. Wehe, da zeigt sich nur ein Spürchen der ursprünglichen Farbe, dann ist nicht nur der Haushaltsvorstand missgestimmt, dann lästern auch die Nachbarinnen, ach was, sie zerreißen sich das Maul. Während die Hausherrin, die keine Herrin ist, nur grad mal nach nebenan gegangen ist, um Nachschub zu holen, und das Hausmädchen, das kein Mädchen ist, den Rest des Weißweins ausschenkt. Verlogene Zicken wie sie im Buche stehen, allesamt!

Photo Credit: Daniel McFadden/Lionsgate

»The Housemaid – Wenn sie wüsste« von Paul Feig ist die Adaption des 2022 erschienenen und dank BookTok zum Bestseller avancierten gleichnamigen Kolportageromans der US-Amerikanerin Freida McFadden, der den Auftakt einer bislang drei Teile umfassenden Buchreihe bildet. Es ist demnach davon auszugehen, dass ein nicht zu geringer Teil jener, die diesen Film sehen wollen, das Buch kennt und daher sowieso weiß, wie der Hase läuft, beziehungsweise vertraut ist mit den Haken, die die Handlung schlägt. Da es zahlreiche Haken sind, wird sich die Rezeption der Eingeweihten von jener der Ahnungslosen gewaltig unterscheiden.

Diesen Ahnungslosen nun aber den Spaß an der Achterbahnfahrt zu verderben, die der Handlungsverlauf bereithält, verbietet sich von selbst. Also fällt einmal mehr der Rezensentin die undankbare Aufgabe zu, sich zwischen unterschiedlichen Arten des Verrats zu entscheiden: Zu viel? Zu wenig? Was? Und wie?

Photo Credit: Daniel McFadden/Lionsgate

Der stark spoileranfällige Film ist im Übrigen nicht zu verwechseln mit dem koreanischen Meisterstück »Das Hausmädchen« (»Hanyo«, Im Sang-soo, 2010), das wiederum ein Remake von Kim Ki-youngs gleichnamigem Klassiker aus dem Jahr 1960 ist. Exemplarische Geschichten, in denen Klassenunterschiede, Geschlechterdifferenz, Ehebruch, sexuelle Manipulation und Kritik an patriarchalen Machtstrukturen thematisch bedeutsam sind, werden allerdings hier wie dort erzählt. Mit dem Unterschied, dass im Falle von »The Housemaid« allzu rasch allzu deutlich wird, dass es sich dabei weder um ein Charakterstück noch um ein Beziehungsdrama handelt. Vielmehr bietet das Pappkameradenhafte der Figurenzeichnung ein geradezu satirisches Potenzial, gegen das selbst das ernsthafteste Schauspiel im Grunde keine Chance hat. Nicht, dass sie es nicht versuchen würden: Amanda Seyfried, die als »die hysterische Hausfrau« erratisches Verhalten an den Tag legt, das Richtung Wahnwitz strebt; Sydney Sweeney, die als »das verführerische Hausmädchen« ihre optischen Reize ins Bild zu setzen weiß; Brandon Sklenar, der eines dieser Mannsbilder verkörpert, für die das Wort »hunk« einst erfunden wurde, eine Mischung aus Adonis und Muskelprotz. Dementsprechend schwül geht es zu, bevor es hitzig wird, dann heftig – und schließlich blutig. Zu trauen ist ohnehin keinem und keiner der Beteiligten, selbst die kleine Ballerina scheint Finsteres im Schilde zu führen. Mit viel Engagement auf allen Seiten wird also das Schundromanhafte der Vorlage umgesetzt und ergibt ein Guilty Pleasure, das mit seinem Zuviel auf allen Ebenen gut in die konsumorientierte Jahreszeit passt. Ernüchterung und Kater inklusive.

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