Buch-Tipp: AugenBlick – Ein Gespräch mit Dominik Graf

Am ersten Film kein gutes Haar

Dominik Graf im ausführlichen Werkgespräch mit der Medienwissenschaftlerin Lisa Gotto

Unter all den Filmemachern, die nach der Generation des Neuen Deutschen Films kamen, ist er mit Abstand derjenige, dessen Werk am besten dokumentiert ist. Die Bandbreite der Bücher über Dominik Graf reicht von zwei sein Gesamtwerk umfassenden Monografien (2012, 2013) bis zu einer voluminösen akademischen Arbeit über seine Polizeifilme; dazu kommt eine Sammlung mit kürzeren eigenen Texten, die zuvor in Zeitungen erschienen. Zuletzt, im vergangenen Jahr, veröffentlichte er ein umfangreiches Buch über Schauspielerei. Zudem hat er eine Reihe essayistischer Dokumentarfilme vorgelegt, darunter (mit Johannes F. Sievert) zwei zum verkannten deutschen Genrefilm sowie (mit Michael Althen) zwei weitere über München und über seinen Vater Robert Graf.

Immerhin sind es aber auch schon fünf Jahrzehnte, in denen Dominik Graf mit seinen Kino- und Fernseharbeiten Zuschauer beglückte und herausforderte, Preise einheimste und für Kontroversen sorgte. Und da er über eigene und fremde Arbeiten durchgängig Hörenswertes zu sagen hat, nimmt man auch eine neue Veröffentlichung mit Interesse zur Hand. Die jüngste Ausgabe der Zeitschrift »Augenblick. Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft« widmet ihm ein ausführliches Werkgespräch, damit anknüpfend an frühere Gespräche, etwa mit Andreas Dresen und Thomas Arslan. Geführt hat es am 12.2.2025 die Medienwissenschaftlerin Lisa Gotto (Universität Wien), mit der Graf 2021 ein Buch zum osteuropäischen Kino publizierte.

»Ihr Eigentliches liegt in der Durchlässigkeit«, charakterisiert Gotto im Editorial Grafs Filme. Graf führt das aus, wenn er an Schlöndorffs/von Trottas »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« den ›Vorzeigekinocharakter‹ kritisiert – »es fehlte der Alltag«. Seine Filme für diesen Alltag durchlässig zu machen, für die kleinen Gesten, das musste Graf selbst erst lernen: An seinem ersten Film an der Münchner Filmhochschule, »Carlas Briefe« (1975), lässt er nur den Gastauftritt von Loriot gelten. Die allgemeine Ablehnung des Films an der HFF, die dazu führte, dass er »nicht mal mit einer Abschlusskopie bedacht wurde«, ließ ihn das Filmemachen erst einmal aufgeben zugunsten der Schauspielerei. Seine Rettung waren ehemalige HFF-Kommilitonen, die mittlerweile bei der Bavaria im Bereich Vorabendserien tätig waren. Die 13 Folgen, die er zwischen 1982 und 1992 für »Der Fahnder« inszenierte, sind glücklicherweise als DVD verfügbar, von ihren erzählerischen und inszenatorischen Qualitäten kann man sich also selbst ein Bild machen. Hier lernte Graf auch Autoren kennen, mit denen er später wiederholt zusammenarbeitete (seinen Stammautoren hat er bereits im Jahrbuch »Scenario« mit einem zugeneigten Text Tribut gezollt).

Graf spricht über die »körperliche Authentizität« seiner Figuren, über den opernhaften Tod von Götz George in »Die Katze« und immer wieder auch über seine Niederlagen und das, was ihm nicht gelang. Am Ende geht es um sein erstes Hörspiel, während die (erfreulich detaillierte) Filmografie mit einem Kurzfilm endet, mit dem sich ein Kreis schließt: Seine Premiere fand dort statt, wo schon Grafs Kinodebüt »Das zweite Gesicht« 43 Jahre zuvor lief: in Hof.


 

Lisa Gotto (Hg.): »Der Film fließt zurück ins Meer des Lebens«. Ein Gespräch mit Dominik Graf. Augenblick – Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft 95. Schüren, Marburg. 140 S., 12,90 €.

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