Kritik zu Valerie

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Der Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt bringt nach neun Jahren seine Monologfilm-Trilogie zu Ende. Nach Hannelore Elsner (Mein letzter Film) und Ben Becker (Ein ganz gewöhnlicher Jude) stellt sich jetzt Franka Potente dem Härtetest der Alleinunterhalterin

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»Hier endet meine Reise zu den Männern. Du bist mein letzter Mann.« Wortwörtlich ist zu hören, was Drehbuchautor Roger Willemsen bei sich selbst abgeschrieben hat. Schon sehr lange muss dieser Film geplant gewesen sein, denn der ehrgeizige Ex-TV-Moderator hat den als Filmstoff geplanten Text bereits vor sechs Jahren als Erzählung unter dem Titel »Kleine Lichter« veröffentlicht. Valerie, um die 35, Architektin in Los Angeles, wohnhaft in Berlin, ist die einsame Sprecherin, die für ihren im Koma liegenden Freund ein Videoband aufnimmt. Es soll ihm am Krankenbett vorgespielt werden, während sie noch einmal zurück nach L. A. fährt, um dort ihre Zelte abzubrechen. Dass sie ihm ihr ganzes Leben erzählt – was sonst soll man geschlagene 87 Minuten lang tun – lässt sich nachvollziehen, auch die Therapie-Idee dahinter. Aber schon die Krankenschwestern, die kurz vor Schluss kurz eingeblendet werden, halten das ganze Gerede für »Körperverletzung«, nicht für Liebe. Und warum muss es eigentlich ein Videoband sein und keine Audiokassette (wie in der Buchvorlage), die den blicklos Komatösen ohn’ Unterlass berieseln soll?

Was tun mit einer Frau allein vor der Kamera? Sie einfach reden lassen wie Anna Magnani in der Filmepisode »La voce umana« (Amore, Roberto Rossellini, 1948, nach dem Theaterstück von Jean Cocteau), die nur ein einziges Utensil, die Telefonschnur, braucht, um ihrer Verzweiflung ein Ende zu bereiten?

Aber Valerie hat das Leben noch vor sich, die Hoffnung auf das Erwachen des Geliebten, dem sie mit ihrer Aktion vor allem Mut machen will. Auch Rossellini inszeniert textgetreu und erzielt trotz Kunstsprache ein inniges Verhältnis zwischen Zuschauer und Star. Bei Valerie kommt die geballte Maschinerie moderner Filmtechnik zum Einsatz, wackelige Videokamera fürs Selbstgespräch, das mit den gern unscharfen Bildern des Kameramanns Benedict Neuenfels konkurriert, Schwarz- Weiß und Farbe, die Franka Potente bei ihrem unermüdlichen Sprecheinsatz förmlich einkesseln. Regisseur Josef Rusnak, der bisher eher im Krimigenre operierte, hält sich am liebsten in der Kreuzberger Wohnung unter der fotogenen Glaskuppel auf und durchstöbert jeden Winkel, um daraus eine Szene zu kreieren. Potente aus der Kühlschrankperspektive? Warum nicht. Potente mit Kopftuch und Staubsauger? Warum nicht. Potente, die – wie auf einer Kegelbahn – rote Boxhandschuhe übers Eichenparkett schleudert? Warum nicht. Hauptsache: Action! Irgendwie muss der Text, den eine Kritikerin freundlich »emphatisches Traktat «, ein anderer gequält »peinigender Kitsch« genannt hat, ja bebildert werden. Und der Zuschauer muss die geschwollene Prosa, die doch nur eine Liebeserklärung sein soll, über sich ergehen lassen!

»Nur wo eine Wunde ist, ist ein Individuum.« Diesen Satz darf man dann, ganz auf sich gemünzt, zum Trost mit nach Hause nehmen. Aber was soll dieses Homemovie im Kino? Franka Potente schlägt sich tapfer und hätte Besseres – in Wort und Bild – verdient. Deshalb zum Schluss eine Retourkutsche an den Autor, auch das ein Filmzitat: »Besonders schmerzhaft sind tiefe Erfahrungen mit flachen Menschen. « Wie wahr, wie wahr.

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