Kritik zu In Time – Deine Zeit läuft ab

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Zeit ist Geld – Andrew Niccol (Gattaca) entwirft aus dieser Idee eine Zukunftsvision, in der niemand älter als 25 wird, zumindest dem Aussehen nach. Justin Timberlake und Amanda Seyfried rebellieren in den Hauptrollen

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Die schöne, neue, aber sehr unglückliche Welt beschäftigt den Neuseeländer Andrew Niccol, seit er 1997 in Gattaca eine sterile, kalte Version davon entworfen hat. In S1mOne ließ er Al Pacino einen virtuellen Star erschaffen, in seinem Drehbuch für Peter Weirs Truman Show verpflanzte er seinen Helden in die künstliche Welt einer Fernsehserie. Auch in seinem neuesten Film In Time – deine Zeit läuft ab entwirft er wieder eine beklemmende Zukunftsvision. Nach den grenzenlosen Möglichkeiten der Genmanipulation und den Fallstricken virtueller Wirklichkeiten wendet er sich jetzt dem Phänomen von Zeitknappheit und Jugendwahn zu. Dabei wirkt In Time wie ein Zwillingsfilm von Gattaca, allein schon in der Art, wie er eine künstliche Welt konstruiert und zwei junge Liebende zu Revolutionären im Kampf für die Menschlichkeit gegen die Regeln einer durchorganisierten, scheinbar perfekten Welt macht.

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist das Altern eliminiert, der menschliche Körper genetisch so programmiert, dass er den Höhepunkt an Schönheit und Vitalität mit 25 Jahren nie überschreitet. Um einer unkontrollierten Bevölkerungsexplosion entgegenzuwirken, ist die offiziell zugeteilte Lebenszeit auf ein weiteres Jahr beschränkt, ein Nachteil, aus dem man sich mit den entsprechenden finanziellen Mitteln freikaufen kann. Es entsteht eine in Wohlstandszonen eingeteilte Klassengesellschaft, in der die Ghettos der Armen von den abgeriegelten Luxusressorts der Superreichen getrennt sind. Unerlaubte Grenzüberschreitungen werden von den sogenannten Time Keepern überwacht, düsteren Agenten, die an die grauen Herren aus Michael Endes »Momo« erinnern. Die Zeit wird in diesem System zur Währung, Sekunden, Minuten Minuten, Stunden, Tage, Jahre sind das Kapital, mit dem man in der Kantine und beim Autohändler bezahlt. Jeder Mensch hat ein Zeitkonto, dessen Kontostand als digitale Anzeige in den Unterarm gebrannt ist, und von dem allerorten abgebucht werden kann. Steht das Konto auf null, erlischt der Mensch von einem Moment zum nächsten.

So wie Niccol in Gattaca Jude Law, Ethan Hawke und Uma Thurman als Vertreter einer neuen aufregenden Schauspielergeneration etablierte, bereitet er jetzt den jungen Stars Amanda Seyfried und Justin Timberlake als Anführern der Rebellion, Cillian Murphy als kühlem Wächter der Zeit und dem aus »Mad Men« bekannten Vincent Kartheiser als arrogantem Zeitbankinhaber eine schillernde Bühne. Timberlake, der hier einmal kantigere, härtere und nervösere Seiten zeigen darf, kommt eines Abends in einer Bar einem Unbekannten zu Hilfe, der in zwielichtiger Gesellschaft sein übervolles Zeitkonto zur Schau stellt, als würde er mit einem Bündel Tausender wedeln. Der des ewigen Lebens müde Methusalem mit dem trügerischen Dorian-Gray- Antlitz überschreibt ihm seine Lebensjahre, und stört damit das fragile Gleichgewicht zwischen Arm und Reich. So beginnt ein rasanter Thriller, in dem die Konkurrenten der verlorenen Zeit hinterherjagen und das junge Pärchen im Geist der Occupy-Wall-Street- Bewegung an den Machtverhältnissen rüttelt.

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