Kritik zu Tea with the Dames

© KSM

2018
Original-Titel: 
Nothing Like a Dame
Filmstart in Deutschland: 
25.04.2019
V: 
L: 
84 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Achtzig ist das neue fünfzig – so zumindest scheint es, wenn Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judi Dench zusammensitzen und sich darüber lustig machen, dass Judi alle Rollen abgreift

Bewertung: 4
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Wir waren ja alle keine Schönheitsköniginnen«, stellt Joan Plowright irgendwann fest. Das »wir« meint die Runde der »Dames«, die Roger Michell (»Notting Hill«) für sein Dokustück versammelt hat. Außer Baroness Plowright sind das Dame Judi Dench, Dame Eileen Atkins und Dame Maggie Smith, mithin nicht weniger als 340 Jahre geadelte Lebenserfahrung. Das Konzept ist mit seiner gekünstelten Gutgelauntheit so sehr Bildungsfernsehen der 90er Jahre, dass es fast nostalgisch macht: Gedreht wurde in zwei Tagen auf dem Landsitz von Plowright. Man tut so, als kämen die vier Damen als alte Freundinnen hier regelmäßig zusammen, um Tee zu trinken und spitze Bemerkungen auszutauschen, wozu sie ausnahmsweise dieses Mal Michell mit seinen Kameraleuten Zutritt gewährten. Aber die Fragen und Anweisungen von ­Michell – »Redet ein bisschen darüber, wie es war, mit den eigenen Ehemännern zu arbeiten!« – verraten die Fernsehproduktion, die, statt geduldig zu beobachten, schnelle Ergebnisse sammeln will. Das Erstaunliche ist, dass »Tea with the Dames« trotzdem ein nicht nur interessanter, sondern berührender Dokumentarfilm geworden ist.

Tatsächlich lohnt es sich auch, den Film im Kino anzuschauen, denn das Hin und Her zwischen den Damen braucht den Raum, um sich zu entfalten. Allzu leicht könnte dem Zuschauer sonst die ein oder andere hingeworfene Bemerkung etwa von Maggie Smith entgehen, die im wahren Leben nicht nur einen ähnlichen Hang zu »bissigen« Pointen wie ihre Figur in »Downton Abbey« offenbart, sondern auch ähnlich kokett und gezielt die eigene Altersfragilität ins Spiel bringt. Von der Serie will Smith übrigens keine einzige Folge je gesehen haben. »Die Produktion hat mir das DVD-Set geschenkt – ich muss im Schnelldurchlauf gucken, sonst komm ich in meinem Leben nicht mehr durch!«

Wie oft bei solchen Projekten sind die leicht verunglückten Momente das Beste. Etwa wenn auf die Frage nach der Arbeit mit den Ehemännern erst mal ein längeres Schweigen in der Runde herrscht, bis Smith klarstellt: »Ich muss erst überlegen, von welchem meiner Männer die Rede ist.« Auch die Aufforderung, über das Alter zu sprechen, legen die vier nach ihrem eigenen Sinn aus. Dench ist die einzige, die noch kein Hörgerät trägt: »Du musst dir eins besorgen!« insistiert Atkins in spöttisch-schwärmerischem Ton.

Was die gewollte Launigkeit mit seiner inszenierten Spontaneität verhindert, ist leider die gezielte Auseinandersetzung mit interessanten Fragen wie der eingangs zitierten nach den Schönheitsidealen. Atkins und Plowright erzählen anekdotenhaft, wie sie sich als junge Schauspielerinnen wiederholt das Urteil anhören mussten, sie seien nicht »im eigentlichen Sinne hübsch«. Alle vier hatten Angst davor, der Rolle der Kleopatra äußerlich nicht zu genügen. Das alles »aufzuschnappen« macht zwar Spaß, geht aber nie in die Tiefe. Jede einzelne der Damen hätte mehr verdient; mehr Engagement für ihre jeweilige Persönlichkeit und ihren ganz spezifischen Weg durch ein Metier, in dem sie es immer auch schwer hatten.

Meinung zum Thema

Kommentare

Roger Michel ist ein einmaliges Meisterwerk gelungen. Die vier bedeutendsten Schauspielerinnen gemeinsam vor die Kamera zu holen. Es sind Dame Judi Dench, Dame Maggie Smith, Dame Eileen Atkins sowie Gastgeberin Dame Joan Plowright. Da sitzen renommierte 342 Jahre um den Tisch. Sie plaudern aus dem besagten Nähkästchen, über ihre Erfahrungen von Bühne und Film, ihre Ehemänner, ihre Probleme und die Highlights ihres Jobs. Dabei kommt viel äußerst Heiteres zu Tage, sodass die Damen sich vor Lachen biegen. Aber auch ihre Ängste werden besprochen und weil die vier seit Jahren befreundet sind nimmt keine ein Blatt vor den Mund. Das geht, gerade weil sie sich alle mögen und das spürt man.
Joan Plowright, z.B., die mit dem Theatergott Laurence Olivier verheiratet war, muss sich die Häme gefallen lassen, dass sie nur die Rollen wegen ihres Mannes bekommen hat (sagte man!) Aber ihre vielen Preise und Ehrungen fielen ja nicht vom Himmel. Sie kann heute damit locker umgehen. Judi Dench hat erst unter James Bond die ganz große Filmkarriere gemacht. Maggie Smith ist inzwischen in vielen klassischen Filmen mit Adelsvertretern (z.B. Downton Abbey oder Gosford Park) eine feste Größe, wenn es um spitzzüngige Bemerkungen geht). Dame Plowright wurde u.a. bekannt durch Klassiker wie School of Scandal oder Peter Greenaways Drowning by Numbers und Eileen Atkins glänzte ebenfalls in literarisch anspruchsvollen Filmen. Sie ist heute die am wenigsten bekannte Dame unter den Diven.
Es ist ein herrliches Vergnügen mit den Damen die Highlights ihres Lebens noch einmal mit zu erleben. Sie haben sich damit selbst ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt.

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