Kritik zu Sin City 2: A Dame To Kill For

Trailer deutsch © Sony Pictures

Rückkehr ins Sündenbabel, wo böse Buben und taffe Mädels sich zum Totentanz in Schwarz und Weiß treffen – diesmal in 3D und mit Eva Green und Josh Brolin

Bewertung: 2
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 3)
Es gibt wenig Neues unter dem sonnenlosen Himmel von Sin City. In diesem Pulp-Noir-Kosmos nach den Graphic Novels von Frank Miller dreht sich nach wie vor alles um Niedertracht und gelegentliches Aufblitzen von Ritterlichkeit, um schöne Frauen und meist irgendwie entstellte Männer, um exzessive Rache für alle erdenklichen Arten von Gemeinheit. So mischen sich immer wieder große Mengen Blut in die Regenpfützen, während wechselnde Erzähler das Geschehen mit »hard-boiled« Fatalismus kommentieren. Fast zehn Jahre nach dem immensen Erfolg des ersten Films zieht die Fortsetzung mit ihren 3D-Bildern den Zuschauer noch unerbittlicher in diese Welt hinein. Das ästhetische Zusammenspiel von Dekor, Kostüm und bizarren Visagen, gelegentlich von Farbtupfern akzentuiert, überzeugt auch diesmal.
 
Dass Sin City 2 dennoch ein schales Gefühl hinterlässt, liegt durchaus auch an dieser überbordenden Gestaltung, die alle inhaltlichen Spannungsmomente weit abfallen lässt. Das Prinzip »style over substance« regiert hier noch selbstherrlicher. Im ersten Film gingen die einzelnen Geschichten recht elegant ineinander über, das ständige Wiederaufleben von eben erst ermordeten Pro­tagonisten – den unterschiedlichen Zeit­ebenen der Vorlage geschuldet – erzeugte ein reizvolles Flair, als seien in dieser Welt die Figuren zur ewigen, grausamen Wiederkehr und neuem, langsamem Sterben verurteilt.elt geprägt ist von postpubertärer Kraftmeierei und einer modischen Attitüde der Düsterkeit und Brutalität.
 
Die Fortsetzung geht in ihrer Verknüpfung der einzelnen Handlungsstränge zwar nach der gleichen Methodik vor, doch das Gewicht der Episoden fällt allzu unterschiedlich aus. Obwohl Mickey Rourke seinem Haudrauf Marv abermals kraftvolle Präsenz verleiht, Powers Boothe als Senator Roark noch bösartiger wirkt und etwa auch Rosario Dawson als mit allen Wassern gewaschene Anführerin der Prostituierten von Old Town überzeugt, werden doch die meisten der zahlreichen Stars an eher uninteressante Episoden verschenkt.
 
Spannend ist lediglich die zentrale, titelgebende Story: Eva Green spielt Ava Lord, und sie müsste nicht ständig nackt sein, um das Urbild der sirenenhaften Femme fatale zu verkörpern. Josh Brolin als Dwight McCarthy (im ersten Film gespielt von Clive Owen), der jeden Ärger vermeiden will, aber von der angeblich bedrohten Ava um Hilfe gebeten und in eine Noir-Intrige nach klassischen Vorbildern verwickelt wird, spielt eindringlich die Zerrissenheit zwischen verzweifelter Liebe für seine Exfreundin und dem besseren Wissen um ihren Charakter.
 
Fast scheint es, als hätte der Autor an ihrer beider Geschichte eher unwillig noch ein paar andere angepappt, weil das Publikum nun einmal das vertraute Personal und mehr Action erwartet, als diese Story allein sie bietet. So bedient Sin City 2 die Erwartungen, ohne aber den irritierenden, brachialen Esprit des Vorgängers zu erreichen. Jenseits des Spiels mit Noir-Motiven wird umso deutlicher, wie sehr Frank Millers Welt geprägt ist von postpubertärer Kraftmeierei und einer modischen Attitüde der Düsterkeit und Brutalität.

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