Kritik zu Shut In

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Naomi Watts spielt eine verwitwete Kinderpsychologin, die in einem abgelegenen Haus ihren behinderten Sohn pflegt – und einen Expatienten, einen tauben Waisenjungen, retten möchte

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Die ambitionierte Psychologin Mary (Naomi Watts) widmet sich Kindern mit Verhaltensstörungen. Besonders angetan hat es ihr der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay), der aufgrund seiner Taubheit in seiner eigenen Welt eingeschlossen ist. Durch den Umzug seiner Pflegemutter muss die Therapeutin leider die Behandlung abbrechen. Zum Abschied schenkt Mary ihrem Schützling die Mütze und den Schal ihres Stiefsohnes. Niemand denkt sich dabei etwas Böses. Dass sich die Psychologin selbst in psychologischer Behandlung befindet, erscheint nur zu verständlich. Seit einem Verkehrsunfall ist nämlich ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) vom Hals abwärts gelähmt und spricht nicht mehr.

Die beschwerliche Pflege ihres Stiefsohnes schultert die toughe Psychologin ganz alleine. Dass sie beim Unfall auch ihren Mann verlor, erfahren wir interessanterweise erst nach einer halben Stunde. In ihrem winterlich eingeschneiten Haus, das so abgelegen ist wie das Hotel Overlook in Stanley Kubricks »Shining«, hat Mary sich eigentlich in einer perfekten Mutter-Kind-Dyade eingerichtet. Männer hält sie tunlichst fern, sogar mit ihrem Psychiater verkehrt sie nur via Skype. Doch als sie in den Nachrichten hört, dass ihr Expatient, der Waisenjunge Tom, ausgebüchst ist, mehren sich in ihrem Heim unheimliche Ereignisse. Mary wünscht sich, dass der Kleine zu ihr zurückkommt – doch dieser Wunsch hat eine dunkle Kehrseite.

Der britische Fernsehregisseur Farren Blackburn inszenierte diese Mischung aus Psychothriller und Gruselschocker nach einem Buch von Christina Hodson. Deren Skripte erscheinen regelmäßig auf der sogenannten Black List für bemerkenswerte, noch nicht realisierte Projekte. Auch »Shut In« hat Potenzial, das aber leider verschenkt wird. Die Spannungsdramaturgie ist allzu konventionell. Will Mary herausfinden, was dieses seltsame Geräusch auslöst, dann verengt sich die Kameraperspektive. Man erwartet ein Monster, weiß aber, dass nur die Katze kommt (die sich in diesem Fall als Waschbär entpuppt). Nach gleichem Schema erfolgt der Wechsel zwischen beunruhigenden Szenen, die sich nach Marys Erwachen regelmäßig als Träume erweisen.

Das Hauptproblem ist Naomi Watts, die in diesem uninspirierten Szenario nicht zeigen kann, was sie drauf hat. Die eindimensionale Zeichnung ihrer Figur schreckt davor zurück, die angedeutete professionelle Deformation dieser Psychologin mit ihren inzestuösen Neigungen deutlicher hervorzukehren. So ist die Entwicklung des Thrillers ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar. »Shut In« bedient sich bei dem neuseeländischen Kultfilm »Housebound« und dem Gruselschocker »The Boy«, bei denen jeweils die Zwischenräume hinter den Hauswänden eine besondere Bedeutung haben. Logische Ungereimtheiten und lose Enden der Erzählung tragen auch nicht zum Filmvergnügen bei. Das ist wirklich schade, denn nach der atmosphärisch überzeugenden Etablierung dieser Geschichte hat man sich zunächst auf einen packenden Thriller gefreut, der das Motiv des haunted house einer rationalen Erklärung zuführt.

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