Kritik zu Seelen

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Nach den Vampiren widmet sich Bestsellerautorin Stephenie Meyer den außerirdischen Körperfressern. Regisseur Andrew Niccol macht daraus eine Science-Fiction-Vision zwischen kühler Ästhetik und heißer Teenagerromantik

Bewertung: 3
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2 (Stimmen: 1)

Mit seinen ersten beiden Kinoarbeiten schaffte Andrew Niccol Ende der 90er gleich den großen Aufschlag. Sein Skript für Die Truman Show und sein Regiedebüt Gattaca wiesen ihn als skeptischen Visonär und kühlen Stilisten aus, der inhaltliche Komplexität mit erzählerischer Eleganz zu verbinden wusste. SImOne und In Time boten ähnlich pessimistisch-futuristische Versuchsanordnungen, wirkten aber angestrengter und unausgereifter als die beiden Frühwerke des Neuseeländers. Mit Seelen beackert er nun erneut Science-Fiction-Terrain und müht sich dabei redlich, seiner Vorlage eine gewisse Intellektualität einzuhauchen.

Keine leichte Aufgabe, denn der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von »Twilight«-Schöpferin Stephenie Meyer, die hier nach einem ähnlichen Muster verfährt wie in ihrer Vampir Tetralogie. Während sie dort Horrormythen modernisierte und mit Teenagerromantik auflud, variiert sie diesmal den Sci-Fi-Topos von den Körperfressern, die erst die menschlichen Körper und dann die Weltherrschaft übernehmen. Und natürlich geht es auch dabei um eine Liebe, die viel, viel größer ist als Leben und Tod.

Im Zentrum steht Melanie (Saoirse Ronan), eine junge Untergrundkämpferin, die eine Alien-Seele namens Wanda eingepflanzt bekommt. Diese soll in Melanies Erinnerungen Namen und Aufenhaltsorte weiterer Rebellen auskundschaften, darunter Melanies Freund Jared (Max Irons). Doch Melanies Geist leistet ungewöhnlich hartnäckigen Widerstand: Sie hält nicht nur wichtige Informationen zurück, sondern gewinnt gar das Mitgefühl ihrer Besatzerin. »Gemeinsam« machen sie sich auf indie Wüste, wo die Resistance ein unterirdisches Versteck bezogen hat.

In visueller Hinsicht drückt Niccol der Story einen klaren Stempel auf. Die frostige Architektur mit ihrer grau-weißen Tristesse, die coolen, silber-glänzenden Vehikel und die ästhetischen Bildkompositionen machen Seelen ebenso zu einem optischen Vergnügen wie das Spiel mit dem Licht, das seinen Höhepunkt in der Offenbarung der wahren Gestalt der Aliens findet. Doch bei allem Formwillen mangelt es dem Film an Tiefe. Das liegt zum einen daran, dass viele Fragen über Natur und Ziele der Aliens vom Drehbuch nicht gestellt werden und es der Story an jener metaphorischen Vielschichtigkeit mangelt, die etwa Don Siegels und Philip Kaufmans Versionen ausmachte. Und es liegt auch daran, dass das romantische Mehreck zwischen Melanie/ Wanda und den heißblütigen jungen Kerlen im Rebellencamp kaum entwickelt wird. Zwar gibt es schmachtende Blicke, stürmische Rangeleien und wilde Küsse im Regen – die Figuren aber bleiben schablonenhaft und flach. Von den Dialogen ganz zu schweigen.

So haucht Saoirse Ronan (Abbitte, Wer ist Hanna?) dem Film fast im Alleingang eine Seele ein, so konzentriert und ernsthaft zeichnet sie ihre schizophrene Heldin, die permanent nach moralischer und emotionaler Orientierung sucht. Von unglaublicher Intensität ist ihre Darstellung; ihr gelingt sogar das Kunststück, die Unterhaltungen zwischen Melanies Stimme aus dem Off und Wanda nicht peinlich erscheinen zu lassen.

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