Kritik zu Sebastian und die Feuerretter

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Auch der zweite Film um Sebastian und seine schneeweiße Berghündin Belle ­fesselt vor allem mit großartigen Naturbildern. Diesmal wird das Geheimnis um seine Herkunft aufgelöst

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Spektakulär kann die Bergwelt sein, schön und gleichzeitig gefährlich. »Sebastian und die Feueretter« spielt in den französischen Alpen. Im ersten Teil »Belle und Sebastian« brachte Sebastian mit seiner klugen Hündin Belle Kämpfer der Résistance über die Berge in Sicherheit. Unter den Flüchtenden auch seine Ziehmutter Angelina, die den Waisenjungen gemeinsam mit ihrem bärbeißigen Onkel César aufzieht. Im aktuellen Film soll Angelina nun nach dem Krieg endlich zurückkehren, aber ihre Propellermaschine stürzt in der unwegsamen Bergregion ab, alle Insassen kommen um. Das jedoch glauben weder Sebastian noch der Alte. Angelina muss überlebt haben! Gemeinsam mit Belle machen sie sich auf den Weg, um sie zu suchen, und heuern den Piloten Pierre an, der zur Unglückstelle fliegen soll. Gleich zu Beginn erfährt Sebastian, dass es sich um seinen Vater handelt, der jedoch nichts von seinem Sohn weiß. Der Marsch durch die Berge wird zur klassischen Sinnsuche und Annäherung zwischen Vater und Sohn. Es gibt auf dem schwierigen Weg viele Hindernisse, praktische wie menschliche, die beide auf harte Proben stellen. Ein Wendepunkt ist schließlich Pierres Erkenntnis, Sebastians Vater zu sein, und seine Schroffheit wandelt sich in Verantwortung und Zuneigung.

Zeitgleich mit Sebastian... kommt übrigens »Wie Brüder im Wind« ins Kino, ein Film mit einer ganz ähnlichen Vater-Sohn-Thematik. Aber beide Filme, wie auch der zu Weihnachten gestartete »Heidi«, funktionalisieren die Berge rückwärtsgewandt, die Geschichten spielen Dekaden vor unserer Zeit, denn die Bergwelt hat sich so dramatisch verändert, dass sich deren Mythos nur in der Vergangenheit beschreiben lässt. Heute gelingt es offensichtlich nicht mehr, emotionale Geschichten zwischen Schneekanonen und abgeholzten Berghängen zu erzählen. Die Beziehungen der Menschen treten vor den mal als rau, dann wieder als malerisch idealisierten Naturszenarien viel deutlicher zutage, und die Konflikte werden nicht nur zwischen den Helden, sondern auch zwischen Mensch und Natur entschieden. So könnte der Waldbrand, der sich nach dem Flugzeugabsturz ausbreitet, für die Retter zum Verhängnis werden. Hier kippt der Film leider ins Pathetische. Wenn sich unzählige Tiere als Horde über den Fluss retten, hat man den Eindruck, sie seien auf dem Weg zur Arche Noah. Da knistert es nur so vor übertriebener Inszenierung und Tricktechnik. Auch zu Beginn, wenn Pierre mit dem Flugzeug vom Himmel herabgleitet und Sebastian voller Neugier auf seinen unbekannten Vater wartet, ist die Überhöhung des Piloten als Retter einfach zu dick aufgetragen. Dabei wären solche Übertreibungen überhaupt nicht nötig gewesen. Hervorragende Schauspieler, allen voran der junge Félix Bossuet als Sebastian, begeistern uns für die Geschichte.

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