Kritik zu Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht

© Senator

Nicholas Sparks und seine hochromantischen Liebesgeschichten, ein weiteres Mal von Lasse Hallström verfilmt

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Ein plötzliches Unwetter überrascht Alex und Katie bei ihrem Kanutrip entlang eines der Seitenarme des Cape Fear River. Sie flüchten sich ans Ufer und schließlich in ein kleines Angler-Diner. Während es draußen in Strömen regnet, sitzen sie zusammen, essen und reden. Darüber vergessen sie alles andere, ihre Trauer wie ihren Schmerz, ihre Vergangenheit wie die Ungewissheit darüber, was die Zukunft bringen wird. Als die beiden sich schließlich wieder der Welt um sich herum bewusst werden, ist es schon Nacht. Alle anderen Gäste sind schon lange fort. Selbst die Bedienung hat sich diskret zurückgezogen. In dem Radio auf dem Tresen läuft gerade ein Song, für den Katie sich sofort begeistert. Spontan dreht sie den Ton lauter, und Alex fordert sie zum Tanzen auf. Zunächst bewegen sie sich noch vorsichtig durch die Gänge. Doch schon bald vergessen sie wieder alles andere und tanzen gelöst durch die Nacht.

Augenblicke wie dieser, in denen alles Unglück und Leid wenigstens eine kurze Zeit lang seine Macht verliert, sind typisch für die Filme nach den Romanen von Nicholas Sparks. Frei von jeder Ironie leben in ihnen alte, aus dem heutigen Hollywoodkino eigentlich verschwundene Melodramentraditionen noch einmal auf. Die Wirklichkeit wird durchlässig für eine romantische Magie, einen Zauber des Augenblicks, in dem die Möglichkeit eines anderen Lebens aufscheint. Diese Augenblicke ungetrübten Glücks sind es, die der von Julianne Hough gespielten Katie und dem viel zu früh verwitweten Alex (Josh Duhamel) Kraft und eine Perspektive in dem Sturm geben, der ihr Leben noch erfassen wird.

Vor ein paar Jahren hat Lasse Hallström mit Das Leuchten der Stille schon einmal einen Sparks-Roman verfilmt. Seine Vorliebe für melancholische Romanzen und tragische Wendungen teilt der schwedische Filmemacher ohnedies mit dem amerikanischen Autor. Zudem sind sie beide im besten Sinne konservative Erzähler. Seinerzeit hat Hallström die klassische melodramatische Form perfekt bedient. Diesmal unterwandert er sie.

Safe Haven beginnt wie ein Thriller. Eine junge Frau flieht Hals über Kopf aus einem typischen Vorstadthaus. Etwas ist geschehen, und sie scheint um ihr Leben zu laufen. Mit Hilfe einer Nachbarin gelingt es ihr, sich zu tarnen und zu einem Busbahnhof zu kommen. Damit beginnt für Katie ein neues Leben, das in die am Atlantik gelegene Kleinstadt Southport führt. Nur ist ihr der Polizist Kevin Tierney (David Lyons) schon auf der Spur. Er verbeißt sich regelrecht in den Fall und gibt eine landesweite Fahndung nach ihr heraus.

Erinnerungen an Alfred Hitchcock und Vincente Minnelli, an Rebecca und an Der unbekannte Geliebte, schwingen also von Anfang an mit. Wie seine klassischen Vorbilder spielt Lasse Hallström mit Motiven des Thrillers und des Geisterfilms. So bricht er die Mechanismen des Melodrams auf. Während Das Leuchten der Stille noch ganz von dem für das Genre typischen Vergeblichkeitsgedanken erfüllt war, wecken Hallström und Sparks diesmal die Hoffnung auf einen Neubeginn. Und manchmal sind es sogar die Geister der Vergangenheit, die den Weg dafür ebnen.

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