Kritik zu Raumteiler
In seinem zweiten, an der Kölner Hochschule für Medien entstandenen Spielfilm widmet sich Florian Schmitz der Wohnungsnot in den Großstädten. Wie »Arme Ritter« (2018) entstand auch »Raumteiler« improvisiert
Wasser dringt durch die Decke seines kleinen Zimmers, der Laminatboden ist brüchig, die Fenster sind zugig. All das aber stört den Musiker Karsten nicht. Er bastelt an elektronischen Klängen und kümmert sich nicht weiter darum. Dann aber kommt die Pandemie, und die Hausverwaltung schreitet mit Renovierungsplänen ein. Karsten muss entweder sofort ausziehen oder für die Schäden haften. Die Wahl fällt leicht, Karsten zieht in einen geliehenen Transporter und richtet sich dort ein. Bei den wenigen Wohnungsbesichtigungen, die mehr oder weniger entwürdigend ablaufen, lernt er Sophie und Miray kennen und nimmt sie bei sich auf. So hausen die drei einen Sommer lang sorglos und unbedarft auf einem brachen Gelände. Bis der Besitzer des Wagens sich meldet und der Herbst mit ungemütlicher Kälte droht.
»Raumteiler« ist nicht einfach ein Film über Wohnungsnot und Obdachlosigkeit«, sagt Florian Schmitz, »was mich vor allem interessierte, war die Frage, was mit jemandem geschieht, der sich nicht anstrengen will, eine Wohnung zu finden, und sich diesem neoliberalen Wahnsinn einfach nicht mehr aussetzt.« Mit dieser Perspektive wird aus dem Schicksal, das vielen jungen Menschen droht, die einfach keine bezahlbare Wohnung finden, eine grundsätzliche Gesellschaftskritik, in der die Wohnungsnot nur ein Symptom ist. Im Verlauf des Films trifft Karsten dann auf einen Wohnungsmakler, mit dem er sich hoffnungslos betrinkt und doch keine gemeinsame Ebene findet. Die Ansprüche an ein gesellschaftliches Leben sind einfach zu unterschiedlich.
Florian Schmitz arbeitet ohne detailliertes Drehbuch. Die Dialoge sind improvisiert, die Handlung ist sehr reduziert. Auch Jahre nach dem Höhepunkt der deutschen Mumblecore-Bewegung mit Tom und Jakob Lass oder Nico Sommer ist die Mischung aus Dokumentation, Improvisation und geprobten Szenen immer noch eine besondere Herausforderung. So entstehen Filme, die eine Aura des Wirklichen an die Stelle der Inszenierung setzen, die eine ganz eigene Form der Glaubhaftigkeit mitbringen und die Spannung in den einzelnen Moment verschieben. Sie können auf diese Weise weder Anfang noch Ende haben, sondern sind ein Dokument des Mittendrin. Erzählt wird dabei eher ernsthaft oder mit einem ganz eigenen, oft untertourigen Humor. So ist der Raumteiler eben kein Mittel, Räume in unterschiedliche Segmente zu teilen, sondern ein Mensch, der den wenigen Platz, den er hat, auch noch anderen zur Verfügung stellt.
In seinem zweiten Spielfilm zeigt Florian Schmitz einen erstaunlich routinierten Umgang mit seiner Thematik. Er montiert die Szenen, ohne viel zu erklären, die fortschreitende Zeit wird durch eingeblendete Monatsnamen verdeutlicht. Dabei erzählt er weniger eine Geschichte, als dass er eine Verfasstheit bebildert, zeigt, wie es Menschen gehen kann, die aussteigen wollen aus dem System, aber doch keinen Weg hinaus finden. Er wird bei aller Moral aber nie moralisierend, lässt das Unverständliche bestehen und beantwortet keine Fragen. So bleiben die Figuren auch nach der Schwarzblende noch eine ganze Weile bei uns.
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