Kritik zu Please Give

Trailer englisch © Sony Pictures

2010
Original-Titel: 
Please Give
Filmstart in Deutschland: 
08.07.2010
L: 
87 Min
FSK: 
keine Beschränkung

In der Ehe, im Beruf, in der Wohnung und auf der Straße lauern die Fallstricke der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit: Nicole Holofcener inszeniert einmal mehr den ganz gewöhnlichen Wohlstand und das schlechte Gewissen, das mit ihm kommt

Bewertung: 3
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Wir haben es mit Frauen zu tun, daran lässt der Film von Anfang an keinen Zweifel, und mit ihren Problemen. Regisseurin Nicole Holofcener schneidet zum Auftakt eine Reihe von Mammografien hintereinander, zeigt entblößte, aber darin ganz unterschiedliche Frauen, die angstvoll und verletzlich statt aufreizend und selbstbewusst wirken. Es ist ein Prinzip, das die 50-jährige New Yorker Independent-Regisseurin in ihren Filmen immer wieder angewandt hat: das Ganze im Kleinen aufzulösen, um mit wenigen Bildern zum Kern der Geschichte vorzustoßen. »Please Give« ist ein Frauenfilm nach der Zeit von Emanzipation und Frauenbewegung und folgt, ohne betulich zu wirken, einem sehr persönlichen Ansatz.

Kate (Catherine Keener) erscheint wie eine Frau, der die Lebenszufriedenheit aufs Gewissen geschlagen ist. Um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, bemüht sie sich, »gut« zu sein. Dazu gehört, angemessene Preise zu bezahlen, wenn sie für ihr Antiquitätengeschäft auf Beutezug geht. Oder der Tochter beizubringen, dass das Leben auch ohne Markenartikel lebenswert ist. Den Obdachlosen vor ihrer Tür gibt sie großzügig, während sie die eigene Tochter zur Sparsamkeit erziehen und nicht verwöhnen will. Dass es mit ihrem Mann Alex (Oliver Platt), mit dem sie Bett, Tisch und Geschäft, aber nicht die täglichen Sorgen teilt, leichte Eheprobleme gibt, ahnt sie mehr, als dass sie darunter leidet. Von seiner Affäre weiß sie ohnehin nichts. Zu all dem kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Die launische ältere Dame nebenan ist immer weniger in der Lage, für sich zu sorgen, und da Kate und Alex ihr Appartement gekauft haben, könnte sich ihr Traum, die eigene Wohnung zu vergrößern, bald erfüllen. Aber darf man sich freuen, wenn das Schicksal anderer zum eigenen Vorteil gereicht? Gibt es bei absoluter Ehrlichkeit noch eine Moral?

Alles eine Frage von Schuld, schlechtem Gewissen und wie man damit umgeht. In der Ehe, im Beruf und in der Erziehung. Nicole Holofcener geht es in ihren Filmen immer auch um die vermeintliche gesellschaftliche Gleichheit. Die problematische Verbindung von Geld und Freundschaft war das Titelthema ihres Films »Friends With Money«, in dem sie an verschiedenen Frauentypen durchspielte, ob Zufriedenheit auch ohne finanzielle Sicherheit oder Reichtum auch ohne Arroganz zu haben sei. In »Please Give« behält Holofcener die episodische Struktur bei, reduziert die Problemlagen aber auf zwei Familien. Dadurch gewinnt der Film an Konsistenz und an szenischem Witz. Die etwas nervöse Catherine Keener steht einem in seiner Behäbigkeit perfekten Oliver Platt gegenüber, eine wunderbare Balance, die der Film bis in die Nebenrollen hinein hält. Nur die Geschichte selbst hängt an vielen Stellen etwas durch. Die Spannung der einzelnen Episoden lässt sich nicht so leicht auf das Ganze übertragen. Immer wieder stehen mehr die persönlichen Macken der Figuren im Vordergrund als die Unzulänglichkeiten des gesamtgesellschaftlichen Kontexts. Holofceners Filme sieht man die Schulung am europäischen Kino an, doch bis zu den Charakterstudien eines Eric Rohmer ist es noch ein weiter Weg.

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