Kritik zu Peppermint – Angel of Vengeance

© Universum Film/Paramount Pictures

Eine Frau mit Agenda, aber kein Sexobjekt: Pierre Morel erweist mit Jennifer Garner als überraschend passender Besetzung in der Hauptrolle dem Genre des Rachethrillers Reverenz

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Riley (Jennifer Garner) muss mit ansehen, wie Mann und Tochter auf dem Rummelplatz von drei Latinos mit automatischen Waffen erschossen werden. In einer späteren Gegenüberstellung identifiziert sie die skrupellosen Mörder, die ihr dann in einer Gerichtsverhandlung gegenübersitzen. Überraschend werden die breit grinsenden Machos freigesprochen. Damit nicht genug, soll Riley wegen Renitenz in die geschlossene Psychiatrie eingeliefert werden. Nein, das ist keine Welt für eine traumatisierte Frau, die nach Gerechtigkeit dürstet. Mit knapper Not entkommt Riley aus dem Krankenwagen und taucht unter. Am fünften Jahrestag des Massakers geschieht etwas Seltsames: Die drei Killer hängen kopfüber am Riesenrad, tot.

»Peppermint – Angel of Vengance« ist, wie der Titel ankündigt, eine Rachefantasie. Die Titelfigur und ihr soziales Umfeld werden aber überraschend präzise ausgeleuchtet. Eine Rückblende zeigt, wie Riley Streit mit einer arroganten Vollzeitmutter begann, die daraufhin den Kindergeburtstag ihrer Tochter sabotierte. Rileys Ehemann Chris war aufgrund dubioser Geschäfte eines kriminellen Kollegen ins Visier der Drogen­mafia geraten. Dank dieser nachvollzieh­baren Vorgeschichte erscheint das Motiv der Vergeltung psychologisch plausibel.

Ein kurz eingeblendetes YouTube-Video zeigt, wie sich die eher zartgliedrige Frau in Fernost zur drahtigen Kickboxerin stählt. Diese »Erklärung« beansprucht keine physiologische Plausibilität. Sie ist eine augenzwinkernde Bezugnahme auf die Gesetze des Genres. Es geht um bebilderte Wunscherfüllungen: In einer der grellsten Szenen wird beispielsweise der korrupte Richter an den eigenen Schreibtisch genagelt – und zwar mit jenem Hammer, mit dem er zuvor das gekaufte Urteil gegen Riley fällte.

Männerleichen pflastern Rileys Weg, meist Latinos, die in einer hohen Frequenz aus den Latschen kippen. Der Film folgt der Logik eines Ego-Shooters. Im Gegensatz zur Heldin des Computerspiels »Tomb Raider« hat die taff agierende Jennifer Garner aber keine virtuell aufgeblasenen Brüste à la Lara Croft. Das sexuelle Motiv, das Frauen nicht selten zum Objekt macht, wird subversiv unterlaufen. So zeigt bereits der atmosphärische »Establishing Shot« ein einsames Auto auf dem Dachparkplatz eines Hochhauses. Der Wagen wackelt leicht hin und her, als ob ein Paar Sex hätte. Oder wird gar eine Frau missbraucht? Im nächsten Moment, als Riley einem der zahlreichen Fieslinge das Hirn wegbläst, wird diese Assoziation bewusst gebrochen.

Eingebettet ist der Rachefeldzug in einen politischen Kontext. So zieht sich Riley, wenn sie ihre Wunden tackern muss, immer wieder in einen Van zurück, der in einem Elendsviertel von obdachlosen Kindern bewacht wird. An die Wand hat jemand ein Grafitti gemalt: Riley als Engel, der an Stelle von Flügeln ­Maschinengewehre hat. Eine Comicfantasie. Mit elegant chreographierten Kampfszenen verbeugt sich der französische Actionspezialist Pierre Morel vor dem Charles-Bronson-Klassiker aus den 70er Jahren: »Eine Frau sieht rot«.

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