Kritik zu No Time to Die

- kein Trailer -

2007
Original-Titel: 
No Time to Die
Filmstart in Deutschland: 
18.06.2009
L: 
90 Min
FSK: 
keine Beschränkung

King Ampaws lang erwarteter dritter Spielfilm widmet sich der wechselseitigen Durchdringung von Tradition und Moderne in seinem Heimatland Ghana. Dort gilt für einen Leichenbestatter vor allem eins: Das Leben geht weiter

Bewertung: 3
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Dead on Wheels Ent.« steht in goldenen Lettern auf seinem Dienstfahrzeug: Asante (David Dontoh) ist Angestellter bei einem Leichenbestatter. Als solcher hat er in der ghanaischen Hauptstadt Accra reichlich Arbeit, muss er doch die Verstorbenen aus den umliegenden Dörfern zunächst zur Zwischenlagerung in die Stadt bringen, bis das Geld für die teure Bestattung aufgebracht und die verstreute Verwandtschaft versammelt ist, um die Leichen dann wieder zur Beerdigung abzuholen.

Der Tag, als die junge Esi (Agatha Ofori) ihn zum Transport ihrer verstorbenen Mutter anheuert, scheint für Asante ein Glückstag zu werden. Schon früh am Morgen hat ihm ein blinder Musiker vorhergesagt, dass er heute die Frau seines Lebens kennenlernen würde. Das kann folglich nur Esi sein, und so macht Asante unterwegs allerlei Versuche, ihr Herz zu gewinnen, täuscht eine Autopanne vor und kommt schließlich seinem Ziel näher. Doch um die Zustimmung des Vaters Owusu (Kofi Bucknor) zu erlangen, der seine Zeit trinkend und spielend mit seinen Freunden totschlägt, muss er sich mehr einfallen lassen. »Nur über meine Leiche«, sagt Owusu, als der Bestatter ihn um die Hand seiner Tochter bittet, aber so wörtlich, wie es dann kommt, war es eigentlich gar nicht gemeint . . .

Die Komödie »No Time to Die« ist der dritte Spielfilm des ghanaischen Regisseurs King Ampaw, der in der DDR und Österreich studierte und auch als Co-Produzent und Darsteller bei diversen deutschen Afrikaprojekten, unter anderem Werner Herzogs »Cobra Verde« (1987), beteiligt war. Bescheidenheit und Schlichtheit im besten Sinne bescheinigten die Kritiker Ampaws hierzulande bekanntestem Film Kukurantumi (1983). Und diese Einschätzung gilt auch für sein neues Werk. Wieder befasst sich Ampaw mit der wechselseitigen Durchdringung von Tradition und Moderne in seinem Heimatland, hier am Beispiel der ghanaischen Sepulkralkultur. Särge werden vom Volk der Ga häufig so gestaltet, dass sie an Vorlieben der Verstorbenen erinnern. Esis Mutter wird in einem flugzeugförmigen Sarg mit der Aufschrift »Heavens Airlines « beerdigt, weil sie schon immer einmal fliegen wollte. Zu den Besonderheiten dieser Kultur gehört auch, dass Bestattungen Volksfestcharakter annehmen. Esi tanzt in einer Gruppe, die auf Beerdigungen spezialisiert ist, »Life Goes On« steht auf deren Fahrzeug.

King Ampaw ist erkennbar bemüht, Klischees zu vermeiden. Das europäische Afrikabild bestehe, so sagt er, fast nur aus Armut, Korruption, Aids und Krieg, aber es gebe auch ein »normales Leben«. Der Film erzählt eine alltägliche Geschichte, die ganz ohne dramatischen Knoten und größeren Spannungsbogen auskommt und deren Happy End nie infrage steht. Seine langen, oft statischen Kameraeinstellungen, die den Rhythmus dieses Lebens reflektieren, verlangen dem hiesigen Zuschauer durchaus etwas Geduld ab. Belohnt wird er dafür, jenseits allen Ethnokitschs, mit Einblicken in eine Lebensweise, in der sich die unterschiedlichsten Kulturen mischen – und deren Erscheinungsbild zunehmend von einer globalisierten Werbewirtschaft bestimmt wird.

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