Kritik zu My Zoe

© Warner Bros. Pictures

Festhalten am Mutterglück: Julie Delpy wechselt in ihrem siebten Langfilm in eigener Regie rasant das Register. Ihr neuer Film beginnt als Beziehungsdrama und verwandelt sich dann so langsam wie unausweichlich in einen Science-Fiction

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Man muss es fast als Warnung voransetzen: Dieser Film ist anders als die anderen Delpy-Filme. Er ist keine redselige Beziehungskomödie wie »Lolo – Drei ist einer zu viel« oder »Zwei Tage Paris« bzw. »Zwei Tage New York«. Stimmungsmäßig hat »My Zoe« mehr Ähnlichkeiten mit Delpys Ausflug ins Gothic-Genre, »Die Gräfin«. Wobei das wirklich Besondere darin besteht, dass man das als Zuschauer erst mit der Zeit begreift.

Zwar ist der Ton von Beginn an ernst – Delpy spielt die Biologin Isabelle, die sich gerade von ihrem Mann James (Richard Armitage) getrennt hat –, aber die Präzision, mit der Delpy hier in Personalunion von Hauptdarstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin den unterschwelligen Dauerstreit zwischen den beiden in Filmszenen übersetzt, ist von jenem Scharfsinn, der auch in Pointen enden könnte. Hier jedoch bleiben die Pointen aus. Im Gegenteil, die Spannungen zwischen den beiden scheinen mit jeder Begegnung nur zu wachsen. James erscheint als kontrollsüchtiger, ressentimentgeladener Ex, der die Tatsache, dass er verlassen wurde, nicht verwinden kann. Isabelle dagegen teilt bei aller Nachgiebigkeit mit genau dosierter passiver Aggression aus. Im Zentrum ihrer Konflikte steht die gemeinsame Tochter Zoe, deren Wohlbefinden beide gleichermaßen obsessiv im Auge haben. Sie agieren dabei mit einer Überspanntheit, die der Zuschauer erst im Nachhinein als Vorzeichen erkennen wird.

Zu den sowohl irritierenden als auch faszinierenden Aspekten des Films gehört, dass man erst nach und nach begreift, dass das Berlin, in dem Isabelle, James mit Zoe leben, eines der sogenannten »nahen Zukunft« ist. Nur sparsam setzt Delpy Science-Fiction-Elemente ein, hier ein zerknüllbares Notepad, dort eine wundersame Armbanduhr. Wer als Zuschauer vom Realismus des geschilderten Beziehungskonflikts eingenommen ist, kann solche Details leicht übersehen. Wichtig werden sie erst gen Schluss, als es der Wissenschaftlerin Isabelle auf letztlich zu glatte Weise gelingt, die erlittene Katastrophe ungeschehen zu machen. Aber vielleicht muss man das Familienbild am Ende auch als Provokation sehen.

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