Kritik zu Mein ziemlich kleiner Freund

© Concorde Filmverleih

In diesem französischen Remake der argentinischen Erfolgskomödie »Corazón de Leon« bändelt der zum Zwerg verkleinerte Jean Dujardin mit der großen Blonden Virginie Efira an

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Die Anwältin Diane wird von einem charmanten Unbekannten kontaktiert, der ihr das im Restaurant vergessene Handy zurückgeben will, und lässt sich auf ein Rendezvous ein. Der Anrufer entpuppt sich als gut situierter und kultivierter Architekt. Doch der überlebensgroße Märchenprinz Alexandre hat auch ein unübersehbares Manko: Er ist klein. Nicht Tom-Cruise-klein, sondern, mit 136 cm, Peter-Dinklage-klein. Nun hat Jean Dujardin (Oscar für »The Artist«) nicht die Proportionen eines Kleinwüchsigen. Der attraktive Mann wurde mit Kulissentricks miniaturisiert und bekam für Rückenansichten ein kleinwüchsiges Double; Gesicht und Hände sind aber groß. Sein Aussehen ist also unrealistisch, was dieser Liebeskomödie einen märchenhaften Touch verleiht. Überdies huldigt Regisseur Laurent Tirard (»Der kleine Nick«) mit seinen farblich elegant komponierten Bildern und aufgeräumten Dekors der »ligne claire«. Obwohl diese Liebeskomödie im unaufgeräumten Marseille gedreht wurde, hat das durchsonnte Ambiente, in dem Alexandre Diane umwirbt – abgesehen vom Besuch einer betont pittoresken Hafenkneipe – etwas leicht Entrücktes, Semikalifornisches.

Besonders in diesem »bon chic bon genre«-Milieu zählen die äußeren Werte mehr als die inneren. Mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit und Unverblümtheit werden die Probleme durchdekliniert, die das Liebespaar in spe bewältigen muss. Es geht ja nicht nur um die ästhetische Asymmetrie, wenn die hochgewachsene Blondine, der die Männer nachschauen, einen Zwerg an ihrer Seite hat. Sie blickt buchstäblich auf ihn herunter; er verrenkt sich fast den Hals. Virginie Efira verkörpert mit bestechender Unbefangenheit eine Frau, die, zwischen Liebe und sozialen Schamgefühlen hin und her gerissen, sich auch noch für ihre Scham schämt. Er, scheinbar ein Ausbund an angriffslustigem Selbstvertrauen, lässt hinter all der Souveränität eine ständige Anspannung durchschimmern. Wenn er mit einem Hüpfer auf den Stuhl springt und vom eigenen Hund umgerannt wird, darf gelacht werden; doch die Komik erwächst in dieser Komödie meist aus den Reaktionen der Umwelt. Als Sprachrohr von Menschen, die von keinerlei PC-Skrupeln gebremst werden, dienen Dianes eifersüchtiger Exmann, mit dem sie ihre Kanzlei betreibt, und ihre verzickte Mutter. Da gibt es giftigen Verbalwitz und Situationskomik, wenn Alexandre von unachtsamen Passanten geschubst wird oder wenn Dianes Doofi-Sekretärin ihn wie ein behindertes Kind anspricht. Wer die Norm verletzt, so zeigen diese Alltagsvignetten, muss tagtäglich ein soziales Minenfeld durchqueren. Kann Diane diese permanente Anstrengung durchhalten?

So subtil und humorvoll die filmischen Beobachtungen sind, so abgeschmackt ist leider das romantische Beiwerk, mit dem diese Liebe zum Happy End getrieben werden soll. Den grundlegenden Zweifel kann dieses moderne Märchen nicht verdecken: Wäre der »Zwerg« nicht so reich, so herausgeputzt und ungeheuer großzügig – hätte Diane dieses Männlein überhaupt in die nähere Auswahl genommen?

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