Kritik zu Krieg der Knöpfe

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Dass Kinder im Kleinen die Kriege der Erwachsenen nachspielen, dieser These aus Louis Pergauds Vorlage zu Frankreichs Kinohit aus dem Jahr 1962 verleiht Christophe Barratier in seinem Remake neuen Ernst, indem er die Handlung 1944 ansiedelt

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Die Neuverfilmung des Kriegs der Knöpfe kann man nicht beurteilen, ohne den Bezug zum Klassiker von 1962 von Yves Robert herzustellen. Dieser wunderbare SchwarzWeiß- Film hat so manches Wechselbad in seiner langjährigen Existenz erlebt. Damals wagte es Robert, die gegeneinander kämpfenden Jungenbanden nackt antreten zu lassen – es geht ja schließlich um den Krieg der Knöpfe, soll heißen, den besiegten Gegnern werden die Knöpfe abgeschnitten, und wo keine sind, kann man auch keine erobern. Wegen dieser »Nacktszenen« war der Film zeitweilig von der FSK erst ab 16 erlaubt, heute dürfen auch schon 6-Jährige den Film sehen. An ihm könnte man die Geschichte der FSK sehr schön nachzeichnen, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Im vergangenen Jahr waren nun endlich die Rechte der Romanvorlage von Louis Pergaud frei geworden, weshalb es in Frankreich zeitgleich zwei Produktionen gab, die sich dieser Vorlage annahmen. Das führte dann zu der absurden Situation, dass sich beide Projekte zeitgleich an die Arbeit machten – es entbrannte sozusagen der Krieg um den frühesten Starttermin. Schließlich kam zuerst Der Krieg der Knöpfe von Christophe Barratier (Die Kinder des Monsieur Mathieu) und eine Woche später das andere Remake in die französischen Kinos. Bei uns läuft nun Ersterer an, wir werden nicht beurteilen können, welches Remake das bessere ist – wenn es denn überhaupt ein solches brauchte.

Barratier hat die Handlung in die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs verlegt und damit eine zweite Ebene hinzugefügt. Es geht einerseits um den Kampf der Jungen zweier benachbarter Dörfer, die mit Begeisterung den Krieg der Knöpfe führen. Anführer derer, die meist gewinnen, und damit der Held des Films, ist Lebrac. Man ahnt sofort, dass es sich bei dem neuen Mädchen in Lebracs Schule um eine bei ihrer vorgeblichen Patentante untertauchende Jüdin handelt. Es geht um Mut, Feigheit, Verrat und Courage – bei den Erwachsenen in der Politik, bei den Kindern in ihren Schlachten, die jeden Donnerstag auf der Wiese zwischen den Dörfern ausgefochten werden. Nicht nackt, sondern zeitweise in Unterwäsche, was aber der Kälte wegen nicht durchzuhalten ist. Am Ende wird es darum gehen, dass beide Dörfer zusammenhalten und Jung und Alt das Mädchen vor dem Verrat in Sicherheit bringen.

Die historische Einordnung Ende 1944 zwingt den Film zu allerlei Verkürzungen und Klischees. Da ist das jüdische Mädchen aus Paris, wunderschön und intelligent. Der einzige Nazi im Dorf ist strohdumm, flegelhaft und sieht auch noch aus wie eine Witzfigur. Es ist grundsätzlich eine verlockende Idee, den Kampf der Kinder auf der Erwachsenenebene zu spiegeln, aber nicht um jeden Preis. So amüsieren wir uns bei den Kämpfen, die die Kinder austragen, aufs Beste, aber das Scharnier in die ernste Politik knirscht doch gewaltig, und das kann auch die Musik nicht übertönen, die in beinah jeder Szene mit Geigenklängen die dramaturgischen Missklänge zu übertönen versucht.

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