Kritik zu Kingsman: The Golden Circle

© 20th Century Fox

Im zweiten Teil des Überraschungshits von 2014 erlebt die Kingsman-Organisation einen schweren Rückschlag, findet aber jenseits des Atlantiks bei den Statesman-Leuten Unterstützung. Statt nach Artusrittern nennen die sich nach Schnäpsen

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Schon wer sich das Filmplakat genauer ansieht, weiß es: Harry Hard alias Galahad (Colin Firth) hat den tödlichen Schuss aus der Waffe seines Widersachers Valentine Richmond (Samuel L. Jackson) überlebt und lediglich ein Auge eingebüßt. Wie er allerdings zu Kingsman zurückkehren wird und ob überhaupt, das bleibt das Geheimnis des neuen Films in der Serie, die den Ehrgeiz hat, als britisches Geheimdienstspektakel James Bond abzulösen. Mit »Kingsman: The Secret Service» trat vor drei Jahren ein unabhängiger internationaler Geheimdienst auf die Kinoleinwand, und niemand fragte sich wozu. Das Ziel, auf dem höchsten Level der Diskretion für die Sicherheit der Welt zu sorgen, war abstrakt genug, um darunter beliebig viele Sonderlinge, Waffenarsenale und geheime Kampfmittel zu subsumieren. Und darauf kommt es auch im zweiten Teil an. Lebensrettende Augenbinden, digitale Codeknacker in Armbanduhren, elektrische Peitschen, bunte Schmetterlinge und jede Menge Bomben und Schusswaffen kommen hier spektakulär zum Einsatz und heizen die Neugier auf den nächsten Gimmick an. Wirklich beeindruckend ist die Choreographie der Kampfszenen. Hier wird digitale Tricktechnik zum Äußersten getrieben, und zwar um analoge Kampfmittel staubwirbelnd zum Einsatz zu bringen. Nicht die lautlos todbringenden Laserwaffen sind hier gefragt, sondern Lassos, Peitschen, Pistolen und (große) Messer, Maschinengewehre und Handgranaten. Die Technik von gestern macht einfach mehr her, und der Kampf einer gegen 20 sieht besser aus, wenn das Blut spritzt.

Die Geschichte ist so lang (140 Minuten) wie einfach. Innerhalb weniger Stunden werden alle Kingsman-Hauptquartiere zerstört. Nur zwei Agenten bleiben übrig und versuchen nun, den Notfallplan zu starten. Dieser führt sie zu einer amerikanischen Schwesterorganisation, den Statesmen, die zur selben Zeit gegründet wurde, sich allerdings nicht als Schneiderei, sondern als Whiskey-Brennerei tarnt. Nun kämpfen die Agenten mit den Namen aus der Artus-Sage gemeinsam mit denen, die nach Schnäpsen heißen, gegen eine skrupellose Drogenkönigin, die sich im Dschungel des Amazonas ein kleines 50er-Jahre-Wunderland gebaut hat und vor Langeweile umzukommen droht. Sie möchte als legale Geschäftsfrau in ihre Welt zurückkehren. So weit so banal. Beachtlich dabei ist die Besetzung, neben Mark Strong als Merlin, Taron Egerton als Eggsy und ­Colin Firth treffen wir hier auf eine herrlich böse Julianne Moore als Poppy, Halle Berry als Ginger, Channing Tatum als Tequila und Jeff Bridges als Champ. Und wenn die böse Welt besiegt ist, bleibt noch ein kleiner Cliffhanger für den nächsten Fall übrig.

Neben den vielen Gangsterkomödien ist diese Geheimdienst-Farce eine Abwechslung, wenn auch nur eine kleine. Die Muster sind und bleiben dieselben, statt Erotik gibt es hier eben Humor. Das ist gut gemachtes Popcornkino, wenig rätselhaft und gänzlich ohne Zwischentöne. Die Anspielungsebene bleibt dem eigenen Kosmos verhaftet und auch ein Cameo von Elton John verleiht dem keine Tiefe.

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