Kritik zu Johnny English

englisch © Universal Pictures

Rowan Atkinson in einer 007-Parodie

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Wenn man »Agentenfilm« und »britisch« zusammenfügt, kann es nur eine Antwort geben: James Bond – 007. Mit dem 40-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr ist dies vielleicht die langlebigste Filmserie aller Zeiten, die verständlicherweise jede Menge Nachfolger, Imitationen und Parodien hervorgebracht hat.

In die Schar der Letztgenannten reiht sich jetzt auch der britische Komiker Rowan Atkinson mit seinem zweiten Kinofilm ein. Als Johnny English verkörpert Atkinson einen Mitarbeiter des Geheimdienstes ihrer Majestät, allerdings keinen Agenten, der in aller Welt in vorderster Front das Böse bekämpft, sondern einen Schreibtischhengst, der aber auch in dieser Position genügend Unheil anrichten kann. Als durch seine Unfähigkeit zuerst ein Topagent das Zeitliche segnet und sodann bei dessen Beerdigung auch die restlichen Topagenten ins Jenseits befördert werden, muss Johnny English persönlich die Aufgabe übernehmen, das britische Königreich zu retten – einfach weil sonst niemand übrig ist.

Der Trottel als Held – einer, der alles falsch macht und in jedes Fettnäpfchen tritt, aber durch wundersame Fügungen des Schicksals am Ende trotzdem als strahlender Sieger dasteht: diese Rolle hat Rowan Atkinson schon in seinem ersten Kinofilm »Mr. Bean« verkörpert. Der baute eher nominell auf der Mr.-Bean-Figur aus der gleichnamigen Fernsehserie auf, denn der Film ließ die Bösartigkeit vermissen, die Atkinsons Figuren früher, etwa in seiner Fernsehserie »Blackadder« oder auch in Kinonebenrollen wie in »The Tall Guy«, ausgezeichnet hatten. Auch in »Johnny English« hat Atkinsons Figur mehr mit der Trotteligkeit von Leslie Nielsen in den »Nackte Kanone«-Filmen gemein als mit seiner früheren Perfidie.

Ein britischer Film für ein internationales Publikum, dieses Marktsegment hat die Firma »Working Title« immer gut zu bedienen gewusst, wobei man nach »Johnny English« sagen könnte, dass die »Working Title«-Filme (unter anderem »Vier Hochzeiten und ein Todesfall«, »Bridget Jones« und »About a Boy«) umso schwächer waren, je weniger sie sich auf das Britische einließen. Wenn »Johnny English« den Tiefpunkt der Reihe bildet, dann deshalb, weil es ihm an jeglichen originellen Ideen ermangelt und stattdessen all jenes vermeintliche Britische dem Spott preisgibt, das schon unzählige Male dafür herhalten musste. Was insofern überrascht, als zwei der drei Autoren, nämlich das Autorengespann Neal Purvis und Robert Wade, auch für den letzten »James Bond«-Film verantwortlich zeichneten – und der setzte, etwa mit seinem düsteren Auftakt, durchaus einige neue Akzente. Was bleibt von »Johnny English« ist John Malkovichs augenzwinkernd an der Grenze zum Chargieren liegende Verkörperung des französischen Fieslings, der sich selbst zum König der Insel krönen lassen will und das Land zu einem riesigen, privat betriebenen Gefängnis machen möchte. Auch die australische Sängerin Natalie Imbruglia kann sich in ihrer ersten Kinorolle durchaus sehen lassen, aber die Stuntszenen hinterlassen allesamt den Eindruck von Billig-Bond, und die Gags wirken zusammengeklaubt.

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