Kritik zu Intruders

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Die Geister, die in Schulaufsätzen beschworen werden, wird man nicht mehr los: Juan Carlos Fresnadillo (28 Weeks Later ) fasst in seinem neuen Film den Grusel des Aufwachsens in eine Horror- und Exorzismusgeschichte

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Mit 28 Weeks Later, der Fortsetzung zu Danny Boyle’s innovativem Zombiefilm 28 Tage später, griff der spanische Regisseur Juan Carlos Fresnadillo im Jahr 2007 die Handlungsmuster und Genreregeln auf, die Zombie-Urgroßvater George A. Romero Mitte der Siebziger mit seinen sozialkritischen Zombieklassikern etabliert hatte. Mit Verweisen auf das AIDS-Virus, den britischen Rinderwahn oder die asiatische Vogelgrippe aktualisierte Fresnadillo seinen Zombiefilmaufguß und lehrte uns trotz festgefahrener Genrekonventionen das Fürchten.

Auch bei seinem neuen Horrorfilm Intruders kann er auf bekannte Genremuster und alteingesessene Ungetüme zurückgreifen. Die grausigen Monster aus Kinderträumen, die immer erst dann erscheinen, wenn das Licht ausgeht und Vater und Mutter das Zimmer verlassen haben, sind nicht erst seit Überfall im Wandschrank – Monster in the Closet (1986) alte und gefürchtete Bekannte im Horrorkino. Doch das Schreckpotenzial der klassischen Monster ist heute nahezu aufgebraucht und so ließ Pixars Animationsstreich Die Monster AG (2001) diese Schreckgestalten aus den Wandschränken dieser Welt zu possierlichen Gesellen mutieren, die sich jedes Kind nur zu gerne als Stofftier zum Knuddeln mit ins Bett nehmen möchte. Um Kinder heute zu erschrecken muss man den Horror realer, in unserer modernen Welt verankert, gestalten.

Das britische Mädchen Mia (Jungstar Ella Purnell, eben noch als junge Keira Knightley in Alles, was wir geben mussten zu sehen) findet in einem Baumloch ein verwittertes Blatt Papier mit einer Gruselgeschichte. Sie spinnt die Geschichte für einen Schulaufsatz weiter und wird fortan, ebenso wie der in Spanien lebende Juan (Izán Corchero) jede Nacht von einer gesichtslosen Silhouette im Regenmantel heimgesucht, die ihr Gesicht rauben will. Die Bedrohung durch diesen unheimlichen Eindringling löst bei dem Mädchen eine heftige emotionale Reaktion aus. Der Schock verschlägt ihr die Sprache. Ihr Vater (Clive Owen) setzt nun alles daran, das Schattengesicht getaufte Monster von seiner Tochter fernzuhalten und zu bezwingen. Interessant ist, wie unterschiedlich man in den beiden Ländern dem Problem der Monsterbekämpfung begegnet. Während Clive Owen in England die Polizei ruft, um den unheimlichem Fremden festnehmen zu lassen, ersucht man in Spanien den Geistlichen Padre Antonio (gespielt von dem deutschen Schauspieler Daniel Brühl) um Hilfe, der gar einen Exorzismus erwägt. »Jesus wird kommen und sich Schattengesicht schnappen und ihn in ein großes schwarzes Loch werfen«, versucht der Padre den kleinen Juan zu trösten.

Die Horrorgemeinde wird dieser seichtsolide Gruselfilm über das Erwachsenwerden nicht ins Schlottern bringen. Fresnadillo liefert Hochglanznervenkitzel statt derber Schocks. Aber vielleicht muss man schon frohsein, dass es sich bei Intruders nicht um billigen, mit Kanonenfutter besetzten Teeniehorror handelt und aus Hollowface in der Übersetzung nicht ein Hohlkopf geworden ist. Denn das Schattengesicht hat ohne Zweifel das Potenzial eines langlebigen Kinderschrecks wie Freddy Krueger, Jason Voorhees oder Michael Myers.

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